Showcases & Background Setting Bar

Showcases

Background Image

This setting is only taking a look when select color and background.
If you want to set showcase color, background and disable Setting Bar, go to Templates Manager > AT-Templates > Global Tab

Lesen Sie bitte den Bericht von Josef Heese über die Dörrie´sche Ziegelei, der im Rahmen "700 -Jahre Gronau" schon 1996 erschienen ist.   Der Autor ist leider schon verstorben, seine Frau Irene Heese als Rechteinhaberin hat mir die Erlaubnis zum Veröffenlichen auf dieser Seite erteilt.

 

Herzlicher Dank. Vielen Dank auch an Gaby Blaschke für die tolle Unterstützung.

 

Einführung

Dieser Beitrag befaßt sich im wesentlichen mit der Dörrie´schen Ziegelei, die 1941/42 ihre Produktion einstellte. Seit der Stilllegung bis heute (1996) sind somit über 50 Jahre vergangen. Aus diesem Grund war ich auf das Wissen und die Erinnerungen älterer Bürgerinnen und Bürger angewiesen, die inzwischen das siebzigste und achtzigste Lebensjahr weit überschritten haben. Ihnen allen, aber auch den Behörden und Ämtern, bei denen ich vorstellig geworden bin, und die ein offenes Ohr für mein Anliegen hatten, gilt mein herzlicher Dank. Dieser Beitrag erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, er ist der Versuch, ein Stück Gronauer Geschichte zu verdeutlichen und wach zu halten.

 

Soweit feste Daten genannt werden, sind sie schon an anderer Stelle veröffentlicht oder aus Gronauer Archiven belegbar. Auswärtige Archive wurden nicht benutzt. 

 

Die Ziegelherstellung ist in Gronau schon seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar. Die erste Ziegelhütte wurde vom Rat der Stadt Gronau angelegt und hatte den Namen "Städtische Ziegelei" oder auch "Ratsziegelei". Sie stellte Ziegel in Handarbeit her und arbeitete bis etwa 1895. 

Die Gründung der Dörrie´schen Ziegelei erfolgte um 1830. Der Kaufmann Heinrich Dörrie, der Großvater des letzten Besitzers, verlegte seine bis dahin in Eitzum betriebene Ziegelhütte nach Gronau an den Steinweg, die heutige Steintorstraße. Bis etwa´1900 wurden auch in dieser Ziegelei die Ziegel in Handfertigung hergestellt, danach ging man zur maschinellen Fertigung über. Eine Zeit lang gab es noch eine dritte Ziegelei. Diese wurden von dem Gronauer Senator Hasse und dem Wallenstedter Landwirt Severin an der Georgstraße errichtet. Sie ging aber bald in den Besitz des jüdischen Bürgers Oppenheimer über (LDZ vom 08. Juli 1942). Später wurde sie von Dörrie aufgekauft und seiner Ziegelei angegliedert.

 

Der Besitz des Kaufmann Kurt Dörrie bis 1956

Zum Besitz des letzten Besitzers  Kurt Dörrie gehörten: Eine Holzhandlung am Leintor, zwischen den beiden Leinearmen gelegen, ein großes Wohnhaus mit einer ca. 4.000 qm großen Hof- und Gartenfläche dahinter, angrenzend an den Nordwall, an diesem entlang bis zum Grundstück des Landwirtes Keese, weiterhin eine kleine Landwirtschaft von etwa 120 Morgen und das Ziegeleigelände an der Steintorstraße mit einer Größe von ca. 12.500 qm. Nördlich der heutigen Dr. Georg-Sauerwein-Straße besaß Dörrie ebenfalls noch eine größere Fläche. Ob die Tonkuhlen in der Nähe des Uthberges Dörrie gehörten oder zum Tonabbau nur gepachtet waren, ist z. Zt. noch nicht geklärt. Die Holzhandlung am Leintor war bekannt unter dem Namen "C. Pape". Sie gehörte aber Dörrie und wurde 1956, etwa ein halbes Jahr vor seinem Tod (20.09.1956) von ihm an den Holzhändler Maas verkauft mit der Auflage, den Namen "C. Pape Holzhandlung gegründet 1813" zu übernehmen.

Auf dem Platz der Holzhandlung am Leintor haben bis vor wenigen Jahren drei Scheunen gestanden, die von Dörrie für die bereits erwähnte Landwirtschaft genutzt wurden. Vom jetzigen Besitzer wurden sie abgebrochen und durch einen anderen, für die Holzlagerung zweckmäßigeren Bau ersetzt. 

Die Trasse des Tongleises der Ziegelei an der Steintorstraße bis zu den Tonkuhlen in der Nähe des Uthberges

 

Plan der Tonbahn Um den Verkauf des Tongleises gedanklich erfassen zu können, ist folgendes anzumerken:  Das Gelände der Dr.-Georg-Sauerwein-Straße war auf beiden Seiten bis 1888/90 völlig unbebaut. Die Dr.-Georg-Sauerwein-Straße  gab es zu jener Zeit noch nicht. Vermutlich war es nur ein Feldweg, der zu den dort liegenden Äckern und Wiesen führte. Mit dem Bau des Tongleises wurde um 1888/90 begonnen, geplant war sie aber schon einige Jahre  früher. Aus Unterlagen im Archiv der Stadt Gronau können wir entnehmen, das von Ziegeleibesitzer Dörrie schon um 1881/82 entsprechende Parzellen erworben wurden. Bis zum Bau des Tongleises wurde der Ton mit  Pferdefuhrwerken zur Ziegelei gefahren. Das Tongleis verließ das Ziegeleigelände auf einem etwa 2,5 m breiten Geländestreifen, (heute zwischen den Häusern Nr. 10 und 13 noch an einem Grenzstein zu erkennen),  überquerte die heutige Dr.-Georg-Sauerwein-Straße und führte nördlich dieser Straße auf ein zur Ziegelei gehörendes Gelände. Von dort verlief sie in westlicher Richtung u. a. über das Grundstück des heutigen Überlandwerks  Leinetal, auf einer kleinen Brücke über die Despe und auf der Ostseite der Bahnhofstraße am Grundstück Kurmeyer vorbei, von dort schräg über die Bahnhofstraße, unterhalb des Bahnhofs entlang, durch einen kleinen Tunnel unter den Bahngleisen hindurch dem Maschweg folgend bis zu den Tonkuhlen.

  


Ein Arbeitspferd beim Ziehen einer Lore Die sogenannte Tonbahn war eine Feldbahn, die man früher oft benutzte. Die Feldbahnwagen, Loren genannt, hatten schwarze, eiserne Untergestelle, auf denen eine Mulde lag, in welche der Ton geladen wurde. Diese  Mulden waren zum Entladen nach 2 Seiten kippbar. Beim Beladen und zum Transport waren sie gegen Umkippen gesichert. Sollten Schüttgut, Sand, Kies oder Erdboden nur über eine kurze Strecke tansportiert werden,  wurden die Loren von den Arbeitern geschoben. Bei längeren Strecken zogen Pferde die Feldbahn.

 Für die Kinder jener Zeit war die Tonbahn auch ein willkommener Anlaß, Dummheiten und Streiche auszuführen. So berichteten Zeitzeugen aus ihrer Kindheit um 1920/22 folgendes: "....Wir haben uns als Jungen aus Ton  oder Erde kleine Kugeln geformt. Damit haben wir uns auf die Brücke gestellt und gewartet, bis die nächste Bahn kam. Wenn das Pferd aus dem Tunnel kam, haben wir mit den Kugeln nach dem Pferd geworfen und (...) das  Pferd auch getroffen. Hierauf haben die Pferde und der Kutscher unterschiedlich reagiert." Ein anderer berichtet: "...Wir haben uns auf die letzte Lore gestellt, um mitzufahren. Der   Kutscher fand dies gar nicht lustig und drohte uns mit der Peitsche, oder wir haben Pulverplätzchen auf die Schienen gelegt. Das knallte dann immer so schön, wenn die Loren darüberfuhren. Dem Kutscher und dem Pferd waren diese eigentlich harmlosen Streiche jedenfalls kein Vergnügen. "

  

Diesellok mit den Loren An den einstigen Tunnel unter den Bahngleisen erinnert heute nur noch ein verrostetes Geländer. die Tonkuhlen wurden im Laufe der Jahre aufgeschüttet und sind heute kaum noch zu erkennen. Das Naturschutzgebiet an der  Ostseite des Maschwegesist jedoch ein Rest der ehemaligen Tonkuhlen. In den Jahren 1924/25 wurde die Trasse der Tonbahn verlegt. Sie überquerte jetzt nicht mehr die Dr.-Georg-Sauerwein-Straße, sondern folgte dieser auf  der Südseite in Richtung Bahnhofstraße bis zur Gärtnerei Kohlenberg, von hier schräg über die Straße und vermutlich über die zu Beginn schon erwähnte Despebrücke  und von dieser Stelle an auf der alten Trasse weiter. Die  Arbeit der Pferde die Loren zu ziehen, übernahm eine kleine Diesellok. Ein kurzes Stück der alten Trasse zu den Trockenschuppen nördlich der Dr.-Georg-Sauerwein-Straße blieb erhalten. Der Rest wurde abgebaut. 

 

 

Das Ziegeleigelände an der Steintorstraße

1954 hatte der Kaufmann Dörrie das Ziegeleigelände, welches eine Fläche von 12.501 qm hatte, der Stadt zum Kauf angeboten. In der Sitzung vom 27. Januar 1955 beschloß der Stadtrat, das Ziegeleigelände an der Steintorstraße zum Preis von 140.000 DM zu kaufen.  (Quelle: LDZ vom 29.01.1955)

Anmerkung: Der Standort der Ziegelei wurde schon bei der Aufzählung des Dörrie´schen Besitzes näher beschrieben. Leider gibt es keinen Lageplan, in dem die Ziegelei mit allen dazugehörenden Gebäuden verzeichnet ist. Eine gesetzliche Pflicht, Gebäude in Lagepläne einzuzeichnen, gibt es erst seit 1966. Aus diesem Grunde ist es verständlich, warum oft keine genauen Standorte oder Plätze zu ermitteln sind.

  


Die Ziegelei um 1930 In der rechten Bildhälfte steht im Vordergrund einer der Trockenschuppen, in dem die Rohziegel gelagert wurden. Dahinter ist der Brennofen mit dem hohen  Schornstein erkennbar, als drittes der große Schuppen an der  Steintorstraße. An diesen werden sich viele Bürger noch erinnern. Die linke Bildhälfte wird überragt vom Schornstein des Kesselhauses. Das Kesselhaus selbst ist nicht zu sehen, da es niedriger war als andere Gebäude. Davor  und daneben stehen die Gebäude, in denen die Ziegelsteine und die Dachziegel gefertigt wurden. Zwischen diesen und den Trockenschuppen in der Mitte befindet sich das Wohnhaus des Ziegelmeisters, das Kontior, wie  früher das Büro genannt wurde., und die Gemeinschaftsräume für die Belegschaft. Abgegrenzt von den öffentlichen Verkehrsflächen, Bürgersteig und Straße, wurde die Ziegelei durch einen 1,80 m hohen Bretterzaun. Dieser  Zaun begann beim Grundstück Steintorstraße 5 und reichte bis zur Georgstraße und in diese noch etwa 20 m hinein. Von hier bis zum Haus Nr. 9 trennte ein etwa 1,20 m hoher Lattenzaun  Bürgersteig und Ziegeleigelände.  Die Errichtung des 1,80 m hohen Bretterzauns war eine Auflage der Stadt Gronau, die mit der Baugenehmigung für den großen Schuppen 1907an der Steintorstraße verbunden war. Die großen Kastanien, die heute noch vor  dem Arbeitsamt stehen, standen hinter diesem Zaun. Nach der Betriebseinstellung wurden die Maschinen und Gleisanlagen in verhältnismäßig kurzer Zeit demontiert. Auch ein Teil der Schuppen wurde abgebrochen.  In welcher Wiese dies geschah, ist nicht bekannt. Ausgehend von der Tatsache, daß der zweite Weltkrieg seit 2 Jahren tobte, Treibstoff für Bagger und ähnliche Baumaschinen knapp war, ist davon auszugehen, daß der Abbruch von Hand geschah. 

Über den Abbruch des Schornsteins des Kesselhauses berichtet ein Zeitzeuge: "Ich war damals etwa 7 Jahre alt. Unter uns Kindern hatte es sich schnell herumgesprochen, daß der Schornstein umgelegt werden sollte. Das wollten wir unbedingt sehen. Außer uns Kindern hatten sich auch eine Reihe Erwachsene eingefunden, Im Gegensatz zum heutigen Verfahren, wo durch eine gezielte Sprengung ein Schornstein in sich zusammenfällt, wurde damals eine ganz andere Technik angewandt. In den Schornstein wurde unten Stück für Stück ein großes Loch gestemmt und gleichzeitig mit dicken Holzstützen wieder abgestützt. Dies geschah etwa bis zur Hälfte des Schornsteinumfangs. Anschließend wurde zwischen den Holzstützen ein großes Feuer angezündet, die Stützen verbrannten. Ein letztes Mal rauchend fiel der Schornstein in die vorgesehen Richtung um. Dieses Verfahren war für jene Zeit nichts Ungewöhnliches."

Vom Abbruch verschont blieben das Kesselhaus, das Gebäude mit der Wohnung des Ziegelmeisters, ein angrenzendes Gebäude, das Haus, in dem die Saisonarbeiter aus dem Eichsfeld ihre Unterkunft hatten, der große Schuppen an der Steintorstraße, dazu ein weiterer an der Georgstraße sowie einer an der rückwärtigen Grenze der Grundstücke der Falkenstraße, außerdem ein Schuppen auf dem Gelände nördlich der Dr.-Georg-Sauerwein-Straße. Letztere und der Schuppen an der Georgstraße wurden während des 2. Weltkriegs von der deutschen Wehrmacht zur Einlagerung von Heu und Stroh genutzt. Für das Einlagern und spätere Pressen von Heu und Stroh zu Ballen waren russische und polnische Kriegsgefangene eingesetzt, die von deutschen Soldaten bewacht wurden. Den Anwohnern war es unter Androhung von Strafen verboten, mit den Gefangenen Kontakt aufzunehmen, oder ihnen Essen und Trinken zukommen zu lassen. Zeitzeugen erzählen folgendes: "Die Gefangenen wurden morgens mit einem Militärfahrzeug von einem Lager zum Arbeiten gebracht und am späten Nachmittag wieder abgeholt. Wo sich das Lager befand, ist nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Die Kleidung der Gefangenen war zerlumpt, die Füße in zerrissenen Schuhen oder Holzpantinen. Ihr sonstiges Äußeres ließ auf eine mangelnde Ernährung schließen. Auch für uns gab es nur das Notwendigste auf Lebensmittelkarten. Um ihren Hunger zu stillen, haben sich die Gefangenen angefaulte Äpfel und anderes Obst, das von den Anwohnern weggeworfen war, geholt, um es zu essen. Nachbarn, die den Gefangenen warmen Malzkaffee zukommen lassen wollten, wurden von den Wachposten barsch angefahren. D i e bräuchten keinen Kaffee, für d i e reiche Wasser. Bohnenkaffee war  auch für uns Deutsche ein Fremdwort. Letztendlich war es dann ein dünner Tee, den sie bekamen. Manchmal fanden die Gefangenen zum Feierabend ein paar belegte Brote in ihrer armseligen Fußbekleidung, die von mitleidigen Anwohnern darin versteckt wurden. Dies war nur möglich, weil sie tagsüber meist barfuß arbeiteten und die Wachposten auch schon einmal wegschauten." Das Kesselhaus wurde zu einer Wohnung ausgebaut. In dieser wohnte einige Zeit ein Gronauer Polizeibeamter, später haben noch andere Gronauer Bürger darin gewohnt. Der Ziegelmeister blieb zunächst in seiner Dienstwohnung. Ihm wurde jedoch von der Stadt Gronau nahegelegt, in sein eigenes Haus in der Empedastraße zu ziehen, weil diese Wohnung zur Unterbringung anderer Personen benötigt wurde. Bewohnt war dieses Haus bis etwa 1970. Danach wurde es abgebrochen.

Im Haus, in dem die Saisonarbeiter wohnten, haben während des Krieges russische Zwangsarbeiterinnen gewohnt, die in einer Gronauer Lederwarenfabrik militärische Ausrüstungsgegenstände (Patronentaschen und ähnliches) herstellen mußten. Nach dem Krieg hatte der Bauunternehmer Preuss einige Jahre in diesem Haus seine Wohnung und sein Büro. An diesem Platz steht heute das Haus des Saunavereins. Die übrigen Schuppen, deren Verwendung noch nicht genannt wurde, dienten Gronauer Unternehmen als Lager oder als Unterstellmöglichkeit für Maschinen und Geräte. In der einen Hälfte des Schuppens an der Steintorstraße hatte ein Kohlenhändler viele Jahre sein Kohlengeschäft. Die andere Hälfte diente einer Gronauer Baufirma als Lager. An diesem Platz steht heute das Arbeitsamt. In dem Schuppen in der Georgstraße war von 1955-1973 eine Kohlen- und Baustoffhandlung ansässig, die sicher noch vielen Bürgern in Erinnerung ist. Heute hat der Kindergarten der Samtgemeinde dort seinen Platz gefunden. Mit der Bebauung des Geländes vor einigen Jahren ist auch der Begriff "Ziegeleigelände" verschwunden. Heute erinnert nichts mehr an das ca. 110jährige Bestehen der Dörrie´schen Ziegelei und an eine Ziegelherstellung in Gronau.

Josef Heese

 

Heidemeyer Ergänzend hierzu folgt noch ein LDZ-Zeitungsbericht über Alois Heidemeyer zum 80. Geburtstag am 3. September 1979. Mit freundlicher Unterstützung vom Archiv der Leine- und Deister-Zeitung" (Archiv Dieter Schütte).

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Powered by Amazing-Templates.com 2014 - All Rights Reserved.
Nach oben

Unsere Website verwendet Cookies , um Ihnen die beste Browser-Erfahrung bieten zu können. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit dem  Setzen von Cookies einverstanden!