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Die Gronauer Industrie

Die Zuckerfabrik

(Geschätzte Lesezeit: 2 - 4 Minuten)

Das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik heute. Kaum zu glauben, dass hier vor nicht allzu langer Zeit eine rauchende und dampfende Fabrik gestanden hat.

Aug 2012 - 013 

 

Bildequelle: Eigenaufnahme

 

 

Die nach 1990 geborenen wissen es natürlich nur vom Erzählen her, doch wir "Alten" haben sie noch gut in Erinnerung. Wie hat das alles angefangen, und warum wurde sie abgerissen? Der Versuch einer Erklärung folgt hier.

Das nächste Bild zeigt die Zuckerfabrik im Bau, 1869.

1-1869 Die Zuckerfabrik im Bau 

Bildquelle: Stadtarchiv Gronau (Leine) 

  

Auf diesem Bild ist die Zuckerfabrik schon fertiggestellt, nur zwei Jahre nach Baubeginn, 1871

3-1871 Zuckerfabrik 

 

 Hier sehen Sie eine Luftaufnahme um 1900.

 4-Luftaufnahme um 1900

Bildquelle: Alte Postkarte 

 

Das nächste Bild zeigt uns die Zuckerfabrik in der Kampagne 1964.

7-Kampagne 1965 

Bildquelle: Buch "Landkreis Alfeld, 1964"

 

Kampagne, was ist das eigentlich? Nun, es ist die Zeit, in der die Rüben zu Zucker verarbeitet werden, meistens von Anfang Oktober bis Mitte Dezember, je nach Ernteertrag. In der Fabrik beginnt alles mit dem Anstecken des Kalkofens. Die Rüben werden geernet und mit den Traktoren zur Fabrik gebracht; hier wird der komplette "Zug" gewogen und die Schmutzprozente geschätzt (bei der Ausfahrt wird der leere "Zug" nochmal gewogen, um das Nettogewicht ermitteln zu können).

 

 

Nun gelangen die Rüben über ein Förderband in die sogenannte "Schwemme", den der Beobachter nur als großen Rübenhaufen wahrnimmt. Von hier werden sie dann in die Fabrik geschwemmt, d.h. mit einem Wasserstrahl, ähnlich einem C-Schlauch der Feuerwehr, in die Fabrik geschwemmt. Der Wasserstrahl wird auf die Rüben gerichtet und lässt sie, durch die Kraft des Wassers, in einen Kanal laufen. Durch diesen Wasser-Rüben-Kanal gelangen die Rüben in die Fabrik.  

 Dort angelangt, werden die Rüben gewaschen, geschnitzelt und gekocht. Für die einzelnen Verarbeitungsschritte bemühe ich Wikipedia, um nichts falsches zu schreiben. 

Auslaugen und Ausfällen von nichtlöslichen Begleitstoffen

Anschließend wird durch heißes Wasser im Extraktionsturm mithilfe des Gegenstromverfahrens, unter Nutzung des Diffusionsprozesses, der Rohsaft ausgelaugt und damit die Saccharose zu 99 % herausgelöst. Der entstandene schwarz-blaue Zuckerdünnsaft mit circa 14 % Rohzuckergehalt enthält noch viele andere organische und anorganische Stoffe, die vor dem Kristallisationsprozess entfernt werden müssen. Dies geschieht durch Einrühren von Kalkmilch, die Säuren neutralisiert und den pH-Wert auf etwa 11 anhebt, um einer Invertzuckerbildung (Spaltung der Saccharose zu Fructose und Glucose) vorzubeugen. Dabei können etwa 35 % der verunreinigenden Stoffe entfernt werden, z.B. fallen viele Metallionen als schwerlösliche Metallhydroxide aus. Der für die Kalkmilch benötigte gebrannte Kalk wird direkt in den Fabrikengebrannt, denn auch das dabei entstehende Kohlendioxid wird benötigt, um die verbliebenen Calcium-Ionen zu Calciumcarbonat (Kalk) zu binden, wobei auch andere Fremdstoffe mitgebunden werden. Der Kalk wird in Kerzenfiltern und Filterpressen vom Dünnsaft getrennt. Der anfallende Kalk wird meistens an die umliegenden Landwirte abgegeben, die ihn als Carbokalk auf die Felder zur Einstellung des pH-Wertesdes Bodens aufbringen.

Beim Diffusionsprozess fallen als Nebenprodukt die ausgelaugten Schnitzel an, die in Schnitzelpressen mechanisch auf ca. 30–34 % Trockensubstanz abgepresst werden. Das Presswasser wird zurück in den Extraktionsturm gepumpt, die Schnitzel werden thermisch auf über 90 % Trockensubstanz getrocknet und anschließend unter Zugabe von Melasse zu Pellets gepresst. Diese Pellets werden als Viehfutter verkauft

Bitte weiterlesen auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Zuckerfabrikation

 

So sah ich die Zuckerfabrik, über 40 Jahre:

18-Die Zuckerfabrik 1980 

Bildquelle: Eigenaufnahme 

und so im Winter, während der Kampagne:

19-Die Fabri im Winter 1980 

Bildquelle: Eigenaufnahme

Warum wurde die Fabrik abgerissen? Nun, mit der zunehmenden Globalisierung des Weltmarktes fielen die Zuckerpreise. Darüber hinaus wurde in Gronau kein Weißzucker sondern nur der braune Zucker hergestellt, die Raffinade zu weißem Zucker geschah in der Zuckerfabrik Nordstemmen. Der braune Zucker wurde mit LKW´s dorthin gebracht.

Welche Gründe auch immer zum Abriss der Fabrik geführt haben mögen, bleiben dem Aussenstehenden verborgen; es werden mit Sicherheit betriebswirtschaftliche Gründe gewesen sein. Als "alter" Gronauer kann ich nur sagen "schade"...man hatte sich im Laufe der Zeit an den Geruch, oder wenn Sie so wollen, an den Gestank, gewöhnt.

Im nachfolgenden noch ein paar Bilder vom Abriss der Fabrik, die Sprengung des Schornsteins und des Kalkofens war dann am 26.04.1991. An diesem Tag blutete mir das Herz.

26.04.1991

 22-26.04.1991 Der Tag der Sprengung 1

Bildquelle: Helmut vogelsang

Der Kalkofen fällt:

25-26.04.1991 Der Tag der Sprengung 4 

Bildquelle: Helmut Vogelsang

Zurück blieb das Förderband, das dann aber auch demontiert wurde.

 30-Das Förderband als Überbleibsel

Bildquelle: Helmut Vogelsang

 

Update März 2014: Das vordere, unbebaute Gelände gehörte dem DRK; es soll verkauft weren. Jetzt erzählt man sich, dass dort Arztpraxen gebaut werden sollen.

 

 

Bildquelle: Eigenaufnahme

 

Mehr Bilder gibt es in dieser Galerie unter "Industrielle Entwicklung >>>>Zuckerfabrik"

Hier geht es zum Video

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