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Die Gronauer Industrie

Die Molkerei

(Geschätzte Lesezeit: 4 - 8 Minuten)

Lesen Sie bitte den Bericht von Friedesine Balden über die Molkerei, der im Rahmen "700 -Jahre Gronau" schon 1996 erschienen ist.   Die Autorin hat mir (uns) die Erlaubnis zum Abdrucken auf dieser Seite erteilt, der mein (unser) herzlicher Dank gilt.

 

Molkrei-Genossenschft Gronau von 1891 bis 1964

 

Molkerei Gronau aussen IIIm Dezember 1891 versammelten sich in der damaligen Gesemannschen Gastwirtschaft in Gronau 34 Ackerbürger aus Gronau und dem Umland, um eine Molkereigenossenschaft zu gründen. Im folgenden Informationen entnommen aus der Jubiläumsbroschüre: 60 Jahre Molkerei Gronau eGmbH. 1891-1951, Gronau 1951).

 Erste Vorstandmitglieder waren: Heinrich Hesse, Ackerbürger aus Gronau, Heinrich Ohlmer, Mühlenbesitzer asu Betheln, August Luckmann, Ackermann aus Eitzum, Hermann Bartels, Landwirt aus Barfelde und Heinrich Wettberg, Ackermann aus Wallenstedt.

Ihrer Initiative ist es zu verdanken, daß es bereits am 16.12.1891 die neu gegründete Molkerei im Genossenschaftsregister beim Amtsgericht Elze mit 52 Genossen eingetragen werden konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden Milch, Butter und Käse in den bäuerlichen Betrieben selbst erzeugt und vermarktet, vom Hof aus verkauft oder von Händlern und Botenfrauen in die Häuser der Stadt gebracht.

Sicher mußten die Gründungsmitglieder große Überzeugungsarbeit leisten, um andere Ackerbürger für den genossenschaftlichen Gedanken zu interessieren. Eine gemeinschaftliche Verwertung der Milch durch eine Molkerei brachte wirtschaftliche Vorteile und schaffte eine sichere Lebensgrundlage.

Mit der Gründung der Molkerei begann für die heimische Landwirtschaft ein neuer Entwicklungsabschnitt. Die Bauern erkannten dies sehr schnell, dann nach anfänglicher Skepsis schlossen sich immer mehr Landwirte aus den Dörfern der Molkereigenossenschaft an. Waren es bisher 12 Bauern aus Gronau, je 6 aus Eitzum und Wallenstedt, 8 aus Bardelde und 20 aus Betheln, so kamen noch Bauern aus Dötzum, Heinum, Eberholzen, Nienstedt, Hönze, Möllensen, Petze und Sibbesse dazu.

Die Güter aus Eddinghausen und Haus Escherde betrieben eigene kleine Molkereien. Später schlossen auch sie sich der Gronauer Molkereingenossenschaft an.

Die junge Genossenschaft erwarb an der Steintorstraße ein Grundstück von dem Bauunternhmer Louis Lichtenberg, der selbst auch Landwirt und Molkereigenosse war.

Sie war daran interessiert, den Mokereibetrieb möglichst schnell aufnehmen zu können. Mit großen finanziellen Aufwendungen und Arbeitseinsatz wurde der Bau begonnen und schon nach 9 Monaten 1893 vollendet. Ein beim Grundstück angelegter Brunnen lieferte die erforderichen Wassermengen. Später wurde noch ein Bohrbrunnen erstellt. Die bisherige Wassermenge reichte nicht aus, weil eine gesteigerte Milchanlieferung eingesetzt hatte. Die Molkerei begann ihre Tätigkeit mit einer Milchverarbeitung von täglich 5000-8000 Liter. Daraus wurden Vollmilch, Butter, Backstein-, Kümel- und Weißkäse hergestellt. Mager- und Buttermiclh gingen je nach Bedarf an die Landwirte zurück, mit zwei Pfennigen pro Liter.

1895 übernahm ein Milchwagen den Straßenverkauf. Er fuhr durch sämtliche Straßen der Stadt und zwar morgens ab 6 Uhr und nachmittags ab 17 Uhr. Zum Verkauf kamen:

  • Vollmilch - 1 Liter - 5 Pfg.
  • Buttermilch - 1 Liter - 5 Pfg.
  • Tafelbutter, geformt - 1 Pfund - 110 Pfg.
  • Käse zu verschiedenen Preisen


2-Luftbild um 19001892 übernahm Heinrich Schlup die Leitung des neugegründeten Molkereibetriebes, 32 Jahre übte er das Amt aus. Während dieser Zeit entwickelte sich das Unternehmen aus kleinen Anfängen zu einem angesehen Werk. Seiner Initiative und der des Kreissekretärs Mörs ist es zu verdanken, daß die Berliner Firma Sanatogen Bauer & Cie. und Johann A. Wülfing aus Gronau 1899 einen Fabrik für chemisch-pharmazeutische Erzeugnisse errichtete, deren Grundlage die Magermilch war. Die Molkerei hatte jetzt einen sicheren, ständigen Abnehmer für Magermilch und sie brauchte nicht nur den Landwirten zurückgegeben oder zu Käse verarbeitet zu werden.

 

 

Die Erfolge des Unternehmens überzeugten die bisher noch zögernden Landwirte, der Genossenschaft beizutreten. Gegen ein entsprechendes Eintrittsgeld und den Erwerb bestimmter Anteile erwarben sie die Mitgliedschaft. 

Durch die Entwicklung der Technik wurden auch technische Verbesserungen im Betireb vorgenommen. Man befürchtete damals, daß durch die gemeinsame Verarbeitung der Milch Maul- und Klauenseuche übertragen werden könnte. Aus diesem Gund wurde ein Hochdruckrührwerkspasteur angeschafft, um Bakterien abzutöten. Kühlmaschinen waren noch nicht bekannt. Man brach das erforderlich Eis im Winter in Teichen und Seen und lagerte es in besonderen Eiskellern  für die Sommerzeit ein. Später wurde eine Kohlensäurekühlmaschine aufgesetllt.

Die Butterverarbeitung vollzog sich damals im Butterfaß. 1911 mu0te es dem Butterfertiger weichen, der gleichzeitig mit einem Rahmreifer geliefert wurde. Durch den 1. Weltkrieg 1914 trat eine schwierige Situation für die Molkerei eiin, denn die Versorgung der Bevölkerung mußte sichergestellt werden.

1923 trat Direktor H. Schlup aus Altersgründen von seinem Posten zurück und Wilhelm Walter übernahm die Leitung des Betriebes. Er baute den Betrieb weiter aus. Ein Milchversand nach Hannover bahnte sich an. Dafür wurde ein Frischmilchraum angebaut. Auf dem Milchmarkt entwickelten sich aber kritische Verhältnisse, so daß keine Gewinne erwirtschaftet werden konnten.

Ab 1933 übernahm Direktor Eugen Mier die Geschäfte und führte sie bis 1952. Erheblich Maschinenumbauten und Verbesserungen im Betrieb brachten der Produktion Aufschwung und stellten die Rentabilität sicher. Man war in der Lage, mit der gewalrtigen Steigerung der Milchanlieferung Schritt zu halten. Die Molkerei Gronau war zu der Zeit Liieferant zahlreicher Großhändler in Hannover. Braunschwei und Hamm i. Westfalen. Sie wurde Mitglied in der Butter-Absatz Zentrale Niedersachsen in Hannover. Von ihr ging eine marktordnende Funktion aus. Alle nicht sofort zu verkaufende Butter wurde in große Kühlhäuser eingelagert, so daß die Betriebe von preislichen Unterbietungen gesichert waren. Dank der guten Erzeugnisse legte ein Vielzah von Diplomen Zeugniss erstklassiger Qualität ab.


Molkerei Gronau aussen IGanz wesentlich für den Bestand der Molkerei waren die Milchfahrer. Von ihrer Gewissenhaftigkeit hing weitgehend die Lieferung einwandfreier Milch zu gleichbleibender Qualität ab. Joseph Siwik aus Gronau, seinerzeit beim Fuhrunternehmer Emmermann beschäftigt, war in der Zeit von 1957-1964 Milchwagenfahrer. Für ihn begann der Arbeitstag morgens um 4 Uhr, die Festtage und Sonntage eingeschlossen, denn Milch viel täglich an. Die Pferde mußten geputzt und gefüttert werden, bevor sie um 5 Uhr vor den Rollwagen gespannt wurden. Das Einsammeln der Kannen begann im Steintor und setzte sich über die Süd- und Hauptstraße, Kampweg, Lehderberg, Nordstraße bis in die Junkernstraße fort. In diesen Straßen befanden sich die Bauernhöfe. Vor jedem Haus stand ein Milchbock, auf den der Bauer die Milchkannen stellte. Über Nacht standen die Kannen gekühlt in einem Wasserbecken. Der Milchbock hatte die Höhe des Milchwagens., um das Beladen zu erleichtern. Jeder Bauer hatte seine eigene Kannennummer. 80-90 Kannen kamen pro Tag zusammen. Auf feinem Bestellzettel trug die Bäuerin ihren Bedarf an Milch, Molke, Sahne, Butter und Quark ein. Er wurde dem Milchwagenfahrer mitgegeben. Um 6 Uhr begann der Betrieb in der Molkerei. Auch von den umliegenden Dörfern kamen die Milchwagenfahrer in die Stadt gefahren. Der Milchwagenfahrer mußte als erster an der Verladerampe sein und die Kannen abladen. Der Molkerist schüttete die Milch in grße Behälter. In der Zwischenzeit schüttete Frauen, die bei der Arbeit Gummistiefel und Gummischürzen trugen, die bestellten Milchsorten in die Kannen zusammen. Die Milchprodukte wurden je nach Bestellung eingepackt und auf der Rücktour mit den restlichen Milchkannen dem Bauer zurückgebracht.

Auf einer Kannenrollbahn gelangte die Milch zur elektrischen Leuchtbildwaage, um nach Feststellung des Geiwchtes in die Liste der täglichen Milchannahme eingetragen zu werden. Siw eurden einer Qualitätsprüfung unterzogen. Nur "Käserei-taugliche" Milch wurde verarbeitet. Dreimal in bestimmten Abständen nahm man eine Fettgehaltsbestimmung vor, um die Milch auf Säure und Schmutz zu prüfen. Ein modernes Labor mit geschulten Kräften unter der Leitung des Oberkontrollassistenten Ludwig Baeck sorgte für eine korrekte Qualitätsbestimmung. Nachdem die Milchkannen geleert worden waren, kamen sie auf ein Abtropfgestell, von dort aus zur Magermilch- und Buttermmilchausgabe. Hier wurden sie wieder gefüllt, aufgeladen und den Landwirten zurückgebracht.


Molkerei Gronau innen IEin fast 4000 Liter fassendes Milchbassin nahm die angelieferte Milch auf, getrennt nach Morgen- und Abendmilch. Der Plattenerhitzer erhitze die Milch, um sie völlig keimfrei zu machen. Zentrifugen teilten die Milch in Magermilch und Rahm. Einen Teil der Magermilch verarbeitete die Käserei, einen anderen die Sanatogenwerke. Rahm wurde zu Sauerrahmbutter verabeitet. Der Buttermeier begann seine Tagesarbeit shr früh. Eine Butterformmaschine sorgte für schnelles Verarbeiten der täglich anfallenden 10-15 Zentner Butter. Diese wurde auf Wassergehalt, Geschmack und Geruch geprüft. Butterprüfungen fanden unverhofft statt.

Von 1952-1964 führte Betriebsleiter Scheele das Unternehmen. Aus einem Jahreshauptversammlungsbericht aus dem Jahre 1956 geht hervor, daß aufgrund des Rückgangs der Milchviehbestände der Mitgliiederbestand von 263 auf 234 zurückgegangen war. Es wurde betont, daß sich die Molkerei als bäuerliche Selbsthilfe-Einrichtung bewährt und es niemals Beanstandungen gegeben habe. Die Geschäftsleitung war bestrebt, den Betrieb technisch auf den neuesten Stand zu bringen. Der Maschinenraum mit seine mordernen Anlagen, das Kesselhaus, ein eigener Stromerzeuger und eine Kühlmaschine garantierten die Zweckmäßigkeit des Betriebes.

1961 stellte die Molkerei die Flaschenmilchauslieferung auf Perga-Verpackung um. Eine Füll- und Verschließmaschine mit einer Kapazitöt von 700 Packungen pro Stunde stellte die Rentabilität sicher.

Lange Überlegungen führten dazu, den Molkereibetrieb in Gronau aufzugeben und sich einer "Mittelpunktmolkerei" im damaligen Kreis Alfeld anzuschließen. Folgende Gründe führten dazu: Um im Wettbewerb in der EWG bestehen zu könenn, sei es notwendig, kleinere Betriebe aufzugeben. Wenn Eime, Brüggen und Gronau in einer neuen Molkerei aufgehen würden, wäre diese in der Lage, 20-21 Millionen Kilogramm Milch aufzunehmen. Ein Betrieb, der dann erhblich größere Auszahlungen infolge der Unkostensenkungen leisten könnte. Durch Personaleinsparungen und optimalere Ausnutzung der Maschinen könnten erhebliche Einsparnisse erzielt werden. Die Generalversammlung der Molkerei Gronau eGmbH beschloß, die Genossenschaft mit Wirkung vom 01. Juli 1964 mit der Molkerei-Genossenschaft Alfeld zu verschmelzen. Im Raum Limmer-Godenau sollte der Neubau erfolgen. Mit Wirkung vom 30. Juni 1964 stellte die Gronauer Mokerei ihren Betieb ein. Die Milch wurde nun nach Limmer geliefert.

 

Friedesine Balden, Stadtheimatpflegerin

 

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