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Gronaus Galerieholländer-Windmühle

Stadtheimatpfleger-Serie, Teil 2: Geschichtliche Entwicklung und lebhafte Erinnerungen

 

VON DIETER SCHÜTTE

Gronau – Obwohl sich während der über 720-jährigen Stadtgeschichte Gronaus drei Wassermühlen entwickelten, übte die im Jahr 1870 durch eine kleine Aktiengesellschaft errichtete Galerieholländer Windmühle eine besondere Faszination aus. Gelegen am Weg „Hohenescher 383“(heute: Hoher Escher 9), einer 80 Meter hohen Bergerhebung im Osten der Stadt, führte von hier der Blick auf die Altstadt und über das Leinebergland. „Die Gronauer Windmühle zeigt die typische Form der drehbaren Mühlenkappe und den stilistischen Turm der Tiedt-Bauten, ist identisch mit den Mühlen in Springe-Bennigsen und Seelze-Almhorst. Daher ist der Firmengründer Ludwig Tiedt aus Peine als Baumeister zu vermuten“, verdeutlicht Rüdiger Hagen (Autor, Müllerei und Mühlenbautechniker) aus der Wedemark.  

Als die Windmühle am 22. September 1881 brannte, berichtete die Leine- und Deister-Zeitung: „Die Freiwillige Feuerwehr war kurz nach dem Bekanntwerden des Brandes mit dem gesamten Löschapparat zur Stelle, konnte jedoch ihre Tätigkeit nur auf ein Geringes beschränken, da in der Nähe der Windmühle nicht ein Tropfen Wasser zu haben war. Die zahlreichen Holzmaterialien und die über 40 Fuß langen Windmühlenflügel gaben dem Brande reichlich Nahrung. Nur das Korn sowie sämtliche Mehlvorrathe wurden gerettet. Versichert ist die Mühle bei der Gesellschaft North British and Mercantile mit etwa 25 000 Mark, wovon die Actionäre ein Viertel selbst zu tragen haben.“

Nach sofortigem Wiederaufbau stand seit Oktober 1883 die neue Windmühle einschließlich des großen Grundstückes im Besitz des

Müllermeisters Wilhelm Koopmann und seiner Ehefrau Lina (geb. Mundhenke). Das Ratskollegium der Stadt Gronau beschloss im Jahr 1904, die Windmühle zusätzlich mit Strom durch das Städtische Elektrizitätswerk Gronau zu versorgen. „Der älteste Sohn Willi Koopmann († 1946) übernahm die Mühle seines Vaters und verlegte sie 1924 in sein Fachwerkhaus an der Junkernstraße 12, wo sie elektrisch betrieben wurde. Parallel zur Mühlen-Schließung plante der Stadtrat mit dem Bauwerk ein Ehrenmal zum Gedenken der Toten des Ersten Weltkriegs, eine Kriegsinvaliden-Wohnung und auf der Spitze eine Außenplattform mit Blick über das Leinetal entstehen zu lassen. Im Gronauer Stadtarchiv und dem Buch „Beiträge zur Geschichte der Stadt Gronau (Leine) – Jahrgang 2010 – sind die Pläne einsehbar. Doch Willi Koopmann trug das alte Mühlengebäude ab, errichtete auf ihren Grundmauern das Restaurant mit Kaffee „Zur Bergmühle“ und verpachtete es an eine Firma aus Braunschweig, die es später käuflich erwarb“, so erzählte Frau Koopmann.

Restaurant/Café

Das Restaurant und Café mit Biergarten „Zur Bergmühle“ ist in der Gewerbekartei der Stadt Gronau mit dem Gründungsjahr 1927 aufgeführt. Der erste Gastwirt Hermann Keuck leitete diesen Wirtschaftsbetrieb von 1927-1955. Seit dem 1. Oktober 1955-1958/59 war Ilse Anlauf (geb. Römer, wohnhaft in Elze, Bahnhofstraße 31) als zweite Inhaberin gemeldet. Als Betriebsart ist Schankwirtschaft angegeben mit dem Zusatz, dass zwei Räume im Kellergeschoss erweitert wurden. Im Mai 1960 verzog Ilse Anlauf nach Volksen (Einbeck) und übernahm die Gaststätte „Die Klus“.

Zu den vielen Veranstaltungen um die „Bergmühle“ zählten nach dem Zweiten Weltkrieg auch die jährlichen Blücherfeste der heimatvertriebenen Familien aus Schlesien. Dazu errichtete die örtliche Vereinigung der „Heimattreuen Löwenberger“ auf der Wiese ein großes Festzelt mit Holzfußboden, ein Kettenkarussell, eine Schieß- und Bratwurstbude. Rund 300 Schlesier aus Gronau und Umgebung reisten mit zahlreichen Bussen an, feierten hier ausgiebig in ihren Trachten, ließen ihre Bräuche und Lebensweisen aufblühen. Das letzte Blücherfest auf der Bergmühle fand am Sonntag, 24. August 1958, mit musikalischer Umrahmung der Freiwilligen Feuerwehr Gronau (Kapellmeister Hans Mosch) und dem Frauenchor Gronau (Dirigent Lehrer Kappe) statt.

Als Ehrengäste hieß Obmann Langner alle Festteilnehmer, besonders den Gronauer Stadtdirektor Freund und den Festredner Graf von NostitzZobten aus Hannover, willkommen. Blücherfeste waren Heimattreffen zur Erinnerung an den preußischen Generalfeldmarschall Gebhard Lebehard von Blücher, ab 1814 Fürst Blücher von Wahlstatt (1742-1819), der in den Befreiungskriegen von 1813-1815 das napoleonische Heer – zwischen Plagwitz und Löwenberg (22. bis 24. August 1813), später bei Waterloo mit der Armee des englischen Generals Wellington – vernichtend schlug.

Grundstück verkauft

Dr. Matthias Krysewski schreibt im Festbuch zum Jubiläum 700 Jahre Gronau (Leine): „Bereits 1959 (LDZ schreibt: 27. Januar 1959)      wurde die Gaststätte „Bergmühle“ am Hohen Escher 9 gekauft und als Gotteshaus für die Neuapostolische Kirchengemeinde hergerichtet. Nach Renovierung diente der frühere Saal als Gottesdienstraum, während im Rundbau Sonntagsschulraum, Garderobe und Toiletten untergebracht wurden. Die übrigen Räume dienten als Hausmeisterwohnung. Bischof Ernst weihte dieses Gebäude am 3. September 1960. 23 Jahre war dieses Gebäude Zentralpunkt des Gemeindelebens. Im

Laufe der Jahre reichten die Räumlichkeiten nicht mehr aus. Auf dem großen Grundstück war genügend Platz, einen Neubau zu errichten, den der Kirchenpräsident, Bezirksapostel Arno Steinweg aus Hannover, am 14. Dezember 1983 weihte.“ Heute erinnern nur die Wegschilder „Windmühlenstraße“ und „Am Windmühlenberg“, dass hier einst eine Windmühle das Landschaftsbild bereicherte.

Es wird demnächst auch einen Folgebericht geben – zur Mühlentechnik und den Stadtpark-Erweiterungen. Der Aufruf an die LDZ-Leser ihre persönlichen Erinnerungen dem Stadtheimatpfleger Dieter Schütte mitzuteilen, war mit über 50 lebhaften Erzählungen – darunter aus Hannover, Nienburg, Hildesheim, Hameln, Bremen und dem Leinebergland – mehr als erfolgreich. Die rekonstruierte Technik der Gronauer Windmühle wird in der folgenden Veröffentlichung beleuchtet.

Quellenangaben

Hinsichtlich der Quellenangaben gilt für die vielseitige Unterstützung ein besonderer Dank: Konstanze Weinmeister (Stadtarchivarin der Stadt Gronau), Dieter Helwes, Rüdiger Hagen (Müllerei- und Mühlenbautechniker aus Wedemark), Hans-Jürgen Maresch (Bremen), Friedel Wöckner, Rolf Klepping, August Pillsticker, Friedel Buhmann, Jürgen Winkler, Heinz-Hermann Hoops (Hannover), Dieter Hoppe (Nienburg/Weser) und der LDZ (Redaktion, Technik/Archiv).

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