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Die Geschichte der Stadt (1931)

Die Geschichte der Stadt, Teil 3

 9. Die Kirchen

In dem frommen Mittelalter mit seiner einem einheitlichen christlichen Bekenntnis anhangenden Bevölkerung war keine Stadtgründung ohne den gleichzeitigen Bau einer, wenn auch noch so kleinen, bescheidenen Kirche denkbar. So steht es wohl außer Zweifel, daß auch Gronau von Anfang seines Bestehens, also von etwa 1298 an, ein eigenes Gotteshaus besessen hat; jedenfalls wird  d i e  e r s t e  G r o n a u e r  K i r c h e , die älteste Vorgängerin der heutigen St. Matthäikirche, bereits im

Jahre 1309 urkundlich erwähnt. Aber neben ihr wurden auch noch die beiden älteren Kirchen von Empeda und Lehde, die allein bei der Zerstörung dieser Ortschaften erhalten geblieben waren, zu gottesdienstlichen Zwecken völlig benutzt. Die Lehder Kirche, natürlich erneuert und im Innern völlig umgestaltet, ist noch heute vorhanden und dient der ev.-lutherischen Kirchengemeinde Gronau als Friedhofskapelle. Von der Kirche in Empeda heißt es in einer Urkunde Bischofs Heinrichs III. "De prima missa in Gronowe" (über die erste Messe in Gronau) vom Jahre 1348: "Ok schall he alle Weken holden oder holden laten ene Gellmissen to olen Empene" (Auch soll er alle Woche im alten Empne eine Seelenmesse halten oder halten lassen).  Diese Kirche ist 1544, ein Jahr nach Einführung der Reformation in Gronau, abgetragen; der dortige Friedhof, in Ackerland verwandelt, wurde der Gronauer Küsterei zugelegt.

Aus der alten Kirche in Empeda nun stammt, wie man mit ziemlicher Gewißheit annehmen darf, das älteste Gerät, das aus Gronaus Vergangenheit erhalten ist: ein romanischer Weihkessel aus Bronze. Er ist in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts in der Nähe der Zuckerfabrik ausgegraben und wurde dem Provinzialmuseum zu Hannover übergeben. Der Kessel hat die Gestalt eines kleinen Eimers, ist 19,1 cm hoch bei einem Durchmesser von 15 cm, hat drei Füße und am oberen Ende zwei Ösen (für den jetzt fehlenden) Henkel. Schön ausgeführte Gestalten in erhabener Arbeit schmücken ihn, und zwar Christus, die vor ihm kniende Maria krönend, ferner ein heiliger mit Schriftband, in der Rechten einen runden Gegenstand tragend, sodann ein bärtiger Mann, der Wasser aus dem Felsen schlägt, womit aber offenbar, zumal die Gestalt einen Heiligenschein hat, nicht Moses, sondern Petrus gemeint ist. Eine sichere Deutung des Zusammenhanges läßt sich nicht geben; nach Mithoff soll vielleicht sinnbildlich dargestellt werden: Christus, der geistliche Fels, von dem die geistliche Quelle, der durch Petrus gespendete Glaube, ausströmt. Der Weihkessel ist sicherlich von unsern Vorfahren beim Gottesdienst in Empeda gebraucht; er erinnert in der Art der künstlerischen Bearbeitung an die bekannten Bronzetüren des Bischofs Bernward im Hildesheimer Dom, muß also wohl als ein Erzeugnis des 12. Jahrhunderts und mithin als ein wertvolles Stück aus der Vergangenheit unserer Heimat angesehen werden.

Im übrigen sind uns nicht viele wichtige Einzelheiten aus dem kirchlichen Leben Leben Gronaus in der Zeit vor der Reformation überliefert. Auch kennen wir nur einige wenige Namen von Geistlichen, die hier gewirkt haben: für das Jahr 1266, also noch vor der Stadtgründung, wird ein gewisser Arnold als Pleban (Öffentlicher oder Leutepriester) im alten Dorfe Empeda erwähnt (diese wie auch die folgenden Namen verdanken wir dem als Kirchengeschichtsforscher bekannten Pastor D. Dr. Hennecke in Betheln). Der erste uns bekannte Pfarrer an der Matthäikirche hieß Heinrich; er weilte von 1318-1320 in Gronau und kam von hier als Stiftsherr an das Kreuzstift in Hildesheim, wo sein Name noch 1331 genannt wird. Im Jahre 1356 ist  Berthold Pfarrer in Gronau, 1380 und 1387 Arnold, 1417 Wedekind, 1451 Johann Kote und 14707 Johann Minden.

Von Klosterleuten sind nach dem Jahre 1259, also noch vor Gründung der Stadt, vom Kloster Marienrode bei Hildesheim Zisterzienser (Zisterzienser nennen sich die Mönche und Nonnen, die in der Tradition der Gründer des Kloster Cîteaux ein Leben des Gebets, der Lesung und der Arbeit führen wollen, Quelle=Wikipedia) bis zur Leine und bis in unser heutiges Stadtgebiet vorgedrungen, "wo ein ausgedehntes Waldgebiet Gelegenheit zu Neubrüchen gab." (Bertram, Geschichte des Bistums Hildesheim)

 9. Die Kirchen

In dem frommen Mittelalter mit seiner einem einheitlichen christlichen Bekenntnis anhangenden Bevölkerung war keine Stadtgründung ohne den gleichzeitigen Bau einer, wenn auch noch so kleinen, bescheidenen Kirche denkbar. So steht es wohl außer Zweifel, daß auch Gronau von Anfang seines Bestehens, also von etwa 1298 an, ein eigenes Gotteshaus besessen hat; jedenfalls wird  d i e  e r s t e  G r o n a u e r  K i r c h e , die älteste Vorgängerin der heutigen St. Matthäikirche, bereits im

Jahre 1309 urkundlich erwähnt. Aber neben ihr wurden auch noch die beiden älteren Kirchen von Empeda und Lehde, die allein bei der Zerstörung dieser Ortschaften erhalten geblieben waren, zu gottesdienstlichen Zwecken völlig benutzt. Die Lehder Kirche, natürlich erneuert und im Innern völlig umgestaltet, ist noch heute vorhanden und dient der ev.-lutherischen Kirchengemeinde Gronau als Friedhofskapelle. Von der Kirche in Empeda heißt es in einer Urkunde Bischofs Heinrichs III. "De prima missa in Gronowe" (über die erste Messe in Gronau) vom Jahre 1348: "Ok schall he alle Weken holden oder holden laten ene Gellmissen to olen Empene" (Auch soll er alle Woche im alten Empne eine Seelenmesse halten oder halten lassen).  Diese Kirche ist 1544, ein Jahr nach Einführung der Reformation in Gronau, abgetragen; der dortige Friedhof, in Ackerland verwandelt, wurde der Gronauer Küsterei zugelegt.

Aus der alten Kirche in Empeda nun stammt, wie man mit ziemlicher Gewißheit annehmen darf, das älteste Gerät, das aus Gronaus Vergangenheit erhalten ist: ein romanischer Weihkessel aus Bronze. Er ist in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts in der Nähe der Zuckerfabrik ausgegraben und wurde dem Provinzialmuseum zu Hannover übergeben. Der Kessel hat die Gestalt eines kleinen Eimers, ist 19,1 cm hoch bei einem Durchmesser von 15 cm, hat drei Füße und am oberen Ende zwei Ösen (für den jetzt fehlenden) Henkel. Schön ausgeführte Gestalten in erhabener Arbeit schmücken ihn, und zwar Christus, die vor ihm kniende Maria krönend, ferner ein heiliger mit Schriftband, in der Rechten einen runden Gegenstand tragend, sodann ein bärtiger Mann, der Wasser aus dem Felsen schlägt, womit aber offenbar, zumal die Gestalt einen Heiligenschein hat, nicht Moses, sondern Petrus gemeint ist. Eine sichere Deutung des Zusammenhanges läßt sich nicht geben; nach Mithoff soll vielleicht sinnbildlich dargestellt werden: Christus, der geistliche Fels, von dem die geistliche Quelle, der durch Petrus gespendete Glaube, ausströmt. Der Weihkessel ist sicherlich von unsern Vorfahren beim Gottesdienst in Empeda gebraucht; er erinnert in der Art der künstlerischen Bearbeitung an die bekannten Bronzetüren des Bischofs Bernward im Hildesheimer Dom, muß also wohl als ein Erzeugnis des 12. Jahrhunderts und mithin als ein wertvolles Stück aus der Vergangenheit unserer Heimat angesehen werden.

Im übrigen sind uns nicht viele wichtige Einzelheiten aus dem kirchlichen Leben Leben Gronaus in der Zeit vor der Reformation überliefert. Auch kennen wir nur einige wenige Namen von Geistlichen, die hier gewirkt haben: für das Jahr 1266, also noch vor der Stadtgründung, wird ein gewisser Arnold als Pleban (Öffentlicher oder Leutepriester) im alten Dorfe Empeda erwähnt (diese wie auch die folgenden Namen verdanken wir dem als Kirchengeschichtsforscher bekannten Pastor D. Dr. Hennecke in Betheln). Der erste uns bekannte Pfarrer an der Matthäikirche hieß Heinrich; er weilte von 1318-1320 in Gronau und kam von hier als Stiftsherr an das Kreuzstift in Hildesheim, wo sein Name noch 1331 genannt wird. Im Jahre 1356 ist  Berthold Pfarrer in Gronau, 1380 und 1387 Arnold, 1417 Wedekind, 1451 Johann Kote und 14707 Johann Minden.

Von Klosterleuten sind nach dem Jahre 1259, also noch vor Gründung der Stadt, vom Kloster Marienrode bei Hildesheim Zisterzienser (Zisterzienser nennen sich die Mönche und Nonnen, die in der Tradition der Gründer des Kloster Cîteaux ein Leben des Gebets, der Lesung und der Arbeit führen wollen, Quelle=Wikipedia) bis zur Leine und bis in unser heutiges Stadtgebiet vorgedrungen, "wo ein ausgedehntes Waldgebiet Gelegenheit zu Neubrüchen gab." (Bertram, Geschichte des Bistums Hildesheim)

St. Matthäi

 

Die Kirche und die evangelisch-lutherische Gemeinde St. Matthäi

Wie im Jahre 1543 der Superintendent Anton Corvinus in Gronau die Reformation einführte, ging die St. Matthäikirche in den Besitz der neuen evangelischen Gemeinde über und ist ihr, mit der kurzen Unterbrechung von 1630-1634, bis auf den heutigen Tag verblieben. Auch die Kirchen in Empeda und Lehde fielen der evangelischen Gemeinde zu.

Bekanntlich wurden die Kirchen früher nicht oder nur zum geringeren Teile durch Barbezüge unterhalten, sondern sie hatten Anspruch auf Sachleistungen der Gemeindemitglieder (den Zehnten) und wurden außerdem mit Landbesitz und sonstigem Eigentum ausgestattet. Auch der St. Matthäikirche in Gronau gehören heute noch verschiedene Ländereien; ein Teil dieses Besitzes läßt sich höchstwahrscheinlich urkundlich bis auf die Zeit vor der Reformation zurückverfolgen. Die Kirche hatte ein Anzahl von Rebenaltären, so einen Altar der Apostel Petrus und Paulus, einen der Jünger Philippus und Jacobus, einen Mariae Beteris , einen Mariae Novae (einen alten und einen neuen Altar der Mutter Maria), und einen Altar der heiligen 5 Wunden. Nun befindet sich bei den Magistratsakten (Staatsarchiv in Hannover) ein aufschlußreiches Testament, das im Jahre 1509 "des Middewekens in deme hilligen Paßchen  (am 11. April) eröfnet ist. Erblasser war der verstorbenen Bikar am Altar Philippini und Jacobi, mit Namen Cord Woltmann. Die Testamentsvollstrecker hießen Wernerus Smedt und Hemmylius Grympe und waren ebenfalls Bikare zu Gronau. Nach einer Bestimmung des Testaments hatten sie u. a. dem Pfarrer und den Bikaren in Gronau eine von Heinrich von Dötzum, seinen Söhnen Hans Dietrich und Arnd, seinen Vettern Richard und Ernst, sämtlich Knappen von Dötzum, besiegelte Urkunde über 3 Hufen Landes vor Gronau zu übergeben; dafür werden die genannten Geistlichen verpflichtet, für Cord Woltmann, Detmer und Galome, seine Eltern, seine Geschwister, Großeltern und alle aus Woltmanns Geschlechte Verstorbenen am nächsten Werktage nach Matthäi in der Gronauer Kirche Seelenmessen zu lesen, im Beisein aller Priester, des Schulmeisters (Mester) und der Opfermänner, die Anwesenheitsgelder erhalten. Es ist anzunehmen, daß das Land aus dieser Schenkung noch zu dem jetzigen Besitz der St. Matthäikirche gehört.

Nach der Sitte der Zeit wurde mit der Einführung der Reformation auch in Gronau eine z w e i t e  o d e r  D i a k o n a t p f a r r e (Kaplanei) eingerichtet. Weil man aber die zur Besoldung eines zweiten Pfarrers notwendigen Ländereien dern bisherigen Nutznießern nicht sofort nehmen konnte, wurde, ähnlich wie auch in Münder und Dassel, der damalige Stadtschreiber verpflichtet, dem Pfarrer zu helfen. Er sollte auch den Gottesdienst im Spital St. Georg versehen. Erst im Jahre 1573 am 01. November ist der erste Pastor diac. in Gronau eingeführt. Im Staatsarchiv zu Hannover befindet sich noch der Lehnbrief über die Ausstattung der Gronauer Diakonatpfarre mit 55 Morgen Land, ausgestellt von Johann Götz von Olenshusen am 20. Januar 1593. Diese 55 Morgen waren dem von Olenhusen nach dem Tode Johanns von Dötzum, der der letzte seines Geschlechts gewesen war, von dem Grafen zu Gleichen, Spiegelberg und Pyrmont als Spiegelbergisches Lehen gegeben. In dem Brief erklärt von Olenhusen, daß er das Lehen nicht an sich nehmen wolle, obwohl er dazu, wie er ausdrücklich hervorhebt, ein Recht habe; er gebe es vielmehr, da schon die Herren von Dötzum es einem Altar der Gronauer Kirche beigelegt hätten, auf Fürbitte ("bescheidene Intercession") des Fürstlich Braunschweigischen Konsistoriums dem Kaplan in Gronau, "dem Ehrwürdigen und Wohlgelarten Herrn Pastor Josten Hemeling" und seinen Amtsnachfolgern zu Lehen. Aber es darf bei Verlust der Belehnung nichts veräußert oder belastet oder zu anderen Zwecken verwendet werden. Erklärt wird dieser Lehnsbrief durch eine Stelle im "Konsistorialprotokoll" in Wolfenbüttel, wo am 19. September 1588 in Gegenwart des Herzogs Julius eine Verhandlung mit den Vertretern von Gronau stattfand; es heißt dort: die erste Pfarre ist herzoglich, und die von Dötzum haben ein Stück Land zum Kaplanslehen gemacht. Zweifellos ist die obenerwähnte Fürbitte des Konsortiums eine Folge dieser Verhandlungen gewesen. 

Schon 23 Jahre nach Einführung der Reformation, nämlich im Jahre 1566, wurde Gronau Sitz der Superintendentur für die Ämter Gronau, Poppenburg (mit der Stadt Elze) und Lauenstein, und zwar war das Amt des Superintendenten mit dem ersten Pfarramt verbunden. Man darf aus dieser Tatsache wohl mit Recht auf die Bedeutung schließen, welche die Stadt Gronau um jene Zeit in der hiesigen Gegend einnahm. Bis zum Jahre 1668 verblieb die Superintendentur hier, dann trat eine Unterbrechung ein bis 1688; von 1688-1701 war der Gronauer erste Pfarrer, Heinrich Strube, noch einmal Superintendent, aber nur noch über die Ämter Gronau und Poppenburg. Als er 1701 starb, wurde der Sitz der Superintendentur nach Alfeld gelegt; dorthin gehörte bis 1821 auch Gronau. Bei der dann vorgenommenen Neubildung der Bezirke entstand der Kirchenkreis Elze, der heute noch besteht und folgende Gemeinden umfaßt: Banteln, Barfelde, Betheln, Brüggen, Burstemmen, Eberholzen, Eime-Sehlde, Elze-Mehle, Groß-Erscherde, Gronau, Heyersum-Mahlerten, Nienstedt, Nordstemmen und Rheden.

Seit 1543, dem Gronauer Reformationsjahre, haben wir ein genaues Verzeichnis aller hier je tätig gewesenen Pfarrer. In dem genannten Jahre amtierte Johann Cammenrodt als Geistlicher an der St. Matthäikirche; doch ist er entweder von den lutherischen Kirchprüfern (Bisitatoren) nicht als evangelischer Pfarrer anerkannt oder bald nach der Prüfung gestorben. Die Reihe der evangelischen Pfarrer eröffnet vielmehr: 

  1. Felician von der Heide, aus einem Adelsgeschlecht zu Horn in der Grafschaft Lippe stammend. Er kam 1550 an die St. Martinikirche in Hildesheim und ist dort 5 Jahre später gestorben.
  2. Magister Johann Uden wurde 1556 bei seiner Einführung in Gronau zugleich erster Superintendent der Ämter Gronau, Poppenburg und Lauenstein. Auch er kam später nach Hildesheim, 1577 ward er Pastor an der St. Michaelis-, danach an der St. Andreaskirche und zugleich Stadtsuperintendent. Er starb 1590 in Hildesheim.
  3. Magister Henricus Bünting war seit 1577 Pastor und Superintendent in Gronau und ging 1591 von hier nach Goslar. Bünting ist bekannt als Verfasser der Braunschweig-Lüneburgischen Chronik. Während seiner Gronauer Amtszeit am 23. April 1588, fand die sog. General-Kirchenvisitation statt durch einen vom Herzog Julius von Wolfenbüttel, dem 1585 das Herzogtum Calenberg-Göttingen mitsamt der hiesigen Gegend zugefallen war, beauftragten Prüfungsausschuß; dieser verhandelte mit den Gemeinden Escherde, Eberholzen und Gronau über kirchliche Angelegenheiten. Auch Bünting und der zweite Pfarrer Justus Hemeling wurden geprüft; darüber wird berichtet: "Sie predigen nur in der Stadt (also nicht in der Kirche zu Lehde), Sonntags dreimal, Freitags einmal. Katechismus Sonntag früh; Mittwoch und Sonnabend zur Vesper die kleinen Mädchen examiniert. M. Bünting ist von Illustrissimo (von dem Herzog) belehnt, der Kaplan von Johann Dötzem (Johann von Dötzum), nachdem ist das Kaplanleben streitig geworden".
  4. Magister Bitus Hansinch war Pastor und Superintendent von 1591 bis zu seinem Tode am 07. März 1628.
  5. Magister Johann Wiering kam von Elze, wo er erster Pfarrer war, nach Gronau als Pastor und Superintendent. Er erlebte hier die Zeit der Gegenreformation und mußte nach Hannover flüchten, wo er am 10. Oktober 1641 starb. - Bis 1642 war die erste Pfarrstelle in Gronau unbesetzt.
  6. Magister Levin Drößemeyer folgte 1642 als Pastor und Superintendent. Als im Jahre 1651 zwischen dem Bischof und den Lanfständen Augsburgischer Konfession ein Abkommen geschlossen wurde, das die Einrichtung eines evangelischen Konsistoriums in Hildesheim vorsah, wurde Drößemeyer 1652 als  einer der vornehmsten evangelischen Prediger im Stifte Konsistorialrat des neuen Konsistoriums. Er starb am 22. September 1668 in Gronau und fand in der St. Matthäikirche seine letzte Ruhestätte.
  7. Magister Wilhelm Stratemann war in Osnabrück Hofprediger gewesen, wurde in Gronau aber nicht Superintendent, wie er wohl erwartet hatte. Er starb hier 1684.
  8. Magister Jakob Heinrich Strube, seit 1656 zweiter Pfarrer in Alfeld, kam 1685 als erster Pastor nach Gronau und wurde 3 Jahre später (1688) Superintendent der Ämter Gronau und Poppenburg. 1701 ist er in Gronau gestorben.
  9. Theophilus Thysius war von 1701 bis 1715 Pastor in Gronau, aber nicht mehr Superintendent, da die Superintendentur nach Alfeld verlegt wurde. Er starb 1715 in Gronau.
  10. Christian Conrad Clodius war erster Pastor von 1715 bis 1759. Er liegt in der Gronauer Kirche begraben.
  11. Johann Rudolph Otto kam bereits 1746 als Helfer seines erkrankten Vorgängers hierher, und zwar aus Bettmar in Braunschweig. Er starb 1783 an den Folgen einer schweren Verletzung, die er, dem Neubau des Pfarrhauses zuschauend, durch herabstürzendes Gebälk erlitten hatte.
  12. Johann Friedrich Röbbelen, der aus Hildesheim stammte, war in Gronau von 1783-1839 Pastor. Sein Sohn, Dr. med. A. W. Röbbelen, gab 1832 eine "Geschichte der Stadt Gronau" heraus und starb 1865 in Hildesheim, wo sich auf dem Marienfriedhof heute noch sein Grab befindet.
  13. August Philipp Sauerwein folgte erst 1841, da die Pfarreinkünfte eines Jahres zur Sammlung eines Kirchenbaustocks benutzt wurden. Sauerwein war zuvor in Schmedenstedt (Ortsteil von Peine) gewesen; hier wirkte er bis zu seinem Tode am 22. Februar 1856. Sein Sohn war der berühmte Sprachgelehrte Dr. Georg Sauerwein.
  14. Karl-Wilhelm Isenberg, vorher in Wechhold (Gemeinde Hilgermissen), trat im Juli 1862, also nach mehr als 6jähriger Zwischenzeit, sein Amt als erster Pastor in Gronau an. Am 10. November 1869 ist er am Schlage in der Sakristei der St. Matthäikirche gestorben, an einem außerordentlichen Bußtage, der in ganz Preußen angeordnet war anläßlich der Eröffnung des vatikanischen Konzils sowie der konstituierenden Synode der alten Provinzen und der ersten ordentlichen Synode in Hannover.
  15. Dr. phil. Friedrich Ziel war Stiftsprediger in Loccum; er wurde im Juli 1870 in Gronau eingeführt. Von hier kam er als Pastor nach Groß-Dahlum in Braunschweig, wo er auch gestorben ist.
  16. Friedrich Wächter, vorher Pastor in Intschede bei Verden, ist am 21. August 1881 hier eingeführt und am ersten Ostertage des Jahres 1890, dem 06. April, gestorben.
  17. Ferdinand Baring war zweiter Pfarrer in Alfeld. Er wurde in Gronau als erster Pastor eingeführt am 03. Mai 1891. Am 01. Februar 1915 trat er in den Ruhestand, starb aber schon im gleichen Monat in Göttingen.

Seitdem ist die erste Pfarrstelle in Gronau nicht wieder besetzt worden.

Das Verzeichnis der zweiten Pfarrer in Gronau lautet folgendermaßen:

  1. Johannes Grovenius von 1562-1564/5. Er war zuerst an der hiesigen Schule angestellt und ist dann Kaplan geworden.
  2. Heinrich Creth aus Nordstemmen, von 1573 an.
  3. Jobst (Justus) Hemeling bis 1599. Sein Leichenstein mit der Inschrift "Kaplan" fans isch beider Instandsetzung der Kirche in den Jahren 1856-59 an der Südseite des großen Altars, und zwar so, daß er etwa an den Stufen des Altars begann und von da an sich westwärts in die Kirche hinein erstreckte. Darunter war ein gemauertes Gewölbe und darin ein doppelter Holzsarg mit einigen Knochen.
  4. Johann Heidenfeld von 1600-1620.
  5. Magister Conrad Stahl von 1620-1626. Er starb an der Pest.
  6. Johann Powenzius von 1627-1637. Sein Leichstein ist noch erhalten und eingemauert an der Außenseite der Kirche, hinter dem großen Altar.
  7. Bernhard Tidov(ius) war zweiter Pfarrer in Alfeld und kam 1637 in gleicher Eigenschaft nach Gronau. Bald mußte er vor den kaiserlichen Truppen flüchten, kehrte jedoch später zurück ist ist hier am 25. November 1675 gestorben.
  8. Heinrich Schrader, Konventual (Mitglied des Konvents, dem die Verwaltung des Klosters unterstand), des Klosters Loccum, war in Gronau von 1677-1687.
  9. Heinrich Schmöe ist anscheinend in demselben Jahre 1688, in dem er nach Gronau kam, schon wieder fortgezogen.
  10. Magister Hermann Oelkers hat in Gronau 44 Jahre lang, von 1688-1732, gewirkt.
  11. Heinrich Oelkers, Sohn des vorigen, wurde sein Nachfolger, nachdem ein Streit über das Patronatsrecht geschlichtet war. Er starb im Jahre 1767.
  12. Friedrich Karl Bosse von 1768-1777; er ging dann nach Edemissen.
  13. Christian Friedrich Martin Hübener, Schwager seines Vorgängers, war nur ein Jahr in Gronau. Schon 1778 verzog er nach Münstedt.
  14. Johann Ahrend Wedekind, vorher Lehrer am Andreanum in Hildesheim, blieb 34 Jahre, von 1779 bis zu seinem Tode 1814, in Gronau.
  15. Johann Karl Philipp Hardeland aus Banteln wurde auf Vorschlag der Grafen von Bennigsen am 20. November 1814 eingeführt. 1826 übernahm er die Predigerstelle in Nienstedt bei Gronau.
  16. Friedrich Wilhelm Theodor Meyer, vom Magistrate vorgeschlagen, kam am 08. Oktober 1826 nach hier. Er wurde 1839 Superintendent in Alfeld und später Generalsuperintendent in Celle, wo er 1867 starb. 
  17. August Julius Wilhelm Meyer, ward 1879 in Gronau eingeführt; 1857 ging er Superintendent nach Osterode.
  18. Wilhelm Schützer, eingeführt am 03. Januar 1858, ging 1867 nach Groß-Schneen bei Göttingen.
  19. Ferdinand Sander, am 29. September 1867 eingeführt, nahm als Divisionspfarrer der 22. Infanterie-Division am Kriege gegen Frankreich teil und erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Er wurde 1872 als Seminardirektor nach Schlüchtern versetzt.
  20. Friedrich Bock, vom Magistrat vorgeschlagen, wurde am 02. November 1873 eingeführt und ging 1876 nach Banteln.
  21. Adolf Bückmann wirkte in Gronau von 1876-1885. Von den Inspektionen Alfeld, Elze, Markoldendorf und Wrisbergholzen wurde er 1883 zum Mitlgied der 3. ordentlichen Landesynode gewählt; 2 Jahre später kam er als Studiendirektor nach Loccum. 1893 wurde er Superintendent in Elze, 1904 in Harburg. Während seiner Tätigkeit in Elze verlieh ihm die theologische Fakultät in Göttingen die Würde eines Ehrendoktors der Theologie. Er starb 1928 im Ruhestande in Leipzig.#
  22. Hans Walther, zuvor Pastor an der Jakobikirche in Einbeck, weilte in Gronau von 1885-1897; dann wurde er nach Scharmbeck versetzt. 
  23. Theodor Siegemann ist seit dem 12. Februar 1899 Inhaber der zweiten Pfarrstelle in Gronau. Es ging eine Zwischenzeit von 2 Jahren vorher, weil nach dem Tode des letzten Grafen von Bennigsen ein Streit zwischen seinen Erben wegen des Patronatsrechts über die Pfarre ausbrach, der bis heute nicht geschlichtet ist. (Das Patronatsrecht über die zweite Pfarre wechselt im übrigen, nach einem Vergleiche von 1626, zwischen der Familie von Bennigsen in Banteln und dem Rate der Stadt Gronau). Da keine Einigung unter den Erben Bennigsens zustande kam, besetzte das Konsistorium ausnahmsweise die Stelle und ernannte Pastor Siegemann, der bis dahin in Radegast an der Elbe tätig gewesen war, zum zweiten Pfarrer in Gronau.

 

Seit 1915 ist Pastor Siegemann der einzige evangelische Geistliche hier. Denn nach dem Übergang des Pastors Baring in den Ruhestand wurde die erste Pfarrstelle nicht wieder besetzt und wird auch wahrscheinlich vorerst nicht wieder besetzt werden, da gegenwärtig der Nachwuchs im Pfarrerstande sehr gering ist und auch die Besoldungsverhältnisse nach den Verlusten durch die Geldentwertung von  1923 schwierig erscheinen. Über das endgültige Schicksal der beiden Pfarren ist noch nichts bestimmt, doch dürfte wohl die Zeit vorüber sein, in der zwei evangelische Pastoren in Gronau wirkten.

Daß die St. Matthäikirche im Laufe der Jahrhunderte zweimal von schweren Feuersbrünsten heimgesucht und vernichtet wurde, haben wir mit dem Zusammenhang der allgemeinen Stadtgeschichte erfahren: 1522 brannten bei der Zerstörung der Stadt durch die Welfenherzöge Kirche und Turm nieder; der Neubau von 1542, bei dem der Turm etwas kleiner als der zerstörte war, ging nach nicht 200jährigem Bestehen im Jahre 1703 in Flammen auf. Die heutige Kirche stammt aus dem Jahre 1721; allerdings war sie um die Mitte des 19. Jahrhunderts so baufällig geworden, daß eine gründliche Erneuerung beschlossen werden mußte. Zuerst sollte sie ganz abgerissen stilvoller Neubau an ihre Stelle gesetzt werden. Der damalige Senator Pape jedoch, der sich ebenso wie sein Amtsgenosse Senator Möhle sehr verdient gemacht hat um das kirchliche Leben in Gronau, veranlaßte den Oberhofbaudirektor Laves in Hannover, einen Entwurf für einen Ausbau im gotischen Stile herzustellen. Senator Möhle versprach, zu dem Bau 4500 Mark zu schenken, wenn der Lavesche Entwurf und nicht ein völliger Neubau durchgeführt würde. Das schlug natürlich durch; und der Umbau erfolgte in den Jahren 1856-1859 unter Leitung des Hannoverschen Architekten Tochtermann. In dieser Zeit wurde der Gottesdienst in dem alten Brauhause am Markte abgehalten. Eingeweiht ist die Kirche am 10. April 1859.

Nun erhielt das Gotteshaus auch eine wertvolle Orgel. Sie war von dem Orgelbauer Furtwängler in Elze hergestellt und ursprünglich für seine Vaterstadt bestimmt.Dort aber wollte man sie nicht haben, anscheinend weil man den Preis für zu hoch hielt. Da griff, wiederum angefeuert durch die Großmut des Senators Möhle, die Kirchengemeinde Gronau zu und erwarb das schöne Werk, das mit seinen 57 klingenden Registern eine Zierde unserer Kirche darstellt, für 7695 Mark. Furwängler hat die Orgel im Jahre 1860 fertiggestellt, und zwar mit großer Uneigennützigkeit. Das Gutachten bei der Abnahme betont, daß der Erbauer nicht nur seine schriftlichen Verpflichtungen völlig erfüllt, sondern darüber hinaus noch auf eigene Kosten verschiedene Verbesserungen angebracht habe. So ist die Orgel ein wirkliches Muster- und Kunstwerk geworden und galt lange Zeit als eine der größten und schönsten unserer Hannoverschen Landeskirche. Erst in neuerer Zeit wurde sie durch andere Orgeln übertroffen. Jetzt ist das Werk etwas veraltet, aber noch immer wohl im Stande und dürfte sicherlich noch für manches Jahr ausreichen. 

Ein besonderer Schmuck der St. Matthäikirche ist ihr Flügelaltar mit 18 aus Holz geschnitzten Gestalten: in der Mitte sitzen auf gleich hohen Thronsesseln Christus und Maria. Zu beiden Seiten stehen die 12 Apostel und Paulus; ferner der "Dur Jodocus" (der hl. Jodocus, der edle Herzog), sowie die beiden heiligen unter den Hildesheimer Bischöfen, Bernward und Godehard. Unter diesen Hauptgestalten sind die Köpfe alttestamentlicher Propheten angebracht. Auf der Rückseite befinden sich eigenartige, gut erhaltene Gemälde, die Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit der Kunstgeschichtlicher und gerade in letzter Zeit häufig besichtigt sind. Der Altar wird mit Recht als einer der schönsten, im kirchlichen Gebrauch befindlicher Altäre unserer Heimat gewertet. Leider hat sich über seine Herkunft nichts Bestimmtes ermitteln lassen. Zweiffellos ist er ein Werk des 15. Jahrhunderts und stammt vermutlich aus Hildesheim, ob aber aus der Godehardikirche, wie die katholische Überlieferung sagt, oder aus der Andreaskirche, wie von anderer Seite behauptet wird, weiß man nicht. In den Gronauer Pfarrakten haben wir eine Sammelliste aus dem Jahre 1780, die Gaben für die Ausschmückung des großen Altars verzeichnet. Damals oder doch kurz nachher ist wohl der Flügelaltar von unseren Vätern angekauft und nach Gronau gebracht.

Nach dem Ausbau im Jahre 1859 war die Kirche zunächst etwas nüchtern und kahl. Deshalb stiftete im Lutherjahre 1883 Senator Pape eine Summe von 6000 Mark für die innere Ausmalung. Diese Arbeit wurde dem Ausschmückungsmaler Dierksen in Hannover übertragen und bereits im folgenden Jahre vollendet. Am 21. September 1884 konnte die geschmackvoll ausgemalte Kirche wieder feierlich in Gebrauch genommen werden.

Wie man sieht, hat es der St. Matthäikirche nicht an opferwilligen Spendern gefehlt. Auch sonst ist sie wohl ausgestattet mit allem, was zum kirchlichen Leben und zur Verschönerung des Gottesdienstes gehört. Einen prächtigen, stilgemäßen Teppich für den Chorraum vor dem Altar schenkte Senator Möhle - er war übrigens lange Jahre Kirchenvorsteher - und dazu einen schönen Schrank zum Aufbewahren der Teppiche und Kirchengeräte. Ebenfalls ist die Warmluftheizung der Kirche ein Geschenk des Senators Möhle; sie hatte von 1885 bis 1927 sich gut bewährt; dann mußte ein neuer Heizofen angeschafft werden, da der alte unbrauchbar geworden war. Mit dem neuen Ofen tut seitdem die alte Heizanlage wieder ihre Dienste.

Merkwürdigerweise gehört der Kirchturm, Gronaus Wahrzeichen, der Stadt (der Kirchturm ist also offenbar ursprünglich ein von der Stadt errichteter Wehrturm gewesen) und nicht der Kirchengemeinde, ist dieser aber zum Gebrauch für kirchliche Zwecke übergeben. Wie die Kirche selbst stammt der Turm aus dem Jahre 1721. Wenn er auch seitdem alle Schicksale mit dem Gotteshause geteilt hat, so sind ihm doch in Gestalt zweier Blitzschläge einige Sondererlebnisse zuteil geworden; beide Male, 1886 und 1930, richtete der Blitz etlichen Schaden an, zündetet aber zum Glück nicht, so daß man mit leichteren Reinigungs- und Instandsetzungsarbeiten davonkam. Im Jahre des ersten Blitzschlages, 1886, sprang beim Einläuten des Nachmittagsgottesdienstes die mittlere der drei Turmglocken plötzlich entzwei. Alle 3 Glocken wurden darauf heruntergenommen und gegen neue aus der bekannten Glockengießerei Radler in Hildesheim eingetauscht. Am 18. August 1886 fand die feierliche Einholung durch die Schulkinder statt. Nach dem Aufhängen der Glocken im Turme übergab sie Bürgermeister Gericke dem Kirchenvorstand zur Benutzung; die Weiherede hielt Pastor Wächter.

Die große Glocke, die noch heute ihr ehernes Lied erklingen läßt, ist 2830 Kilogramm schwer, aus Bronze gegossen; sie trägt die Namen der Ratsmitglieder und Bürgervorsteher von 1886, ferner die Worte: "Gottes Wort und Luthers Lehr vergehen nun und nimmermehr". An beiden Seiten ist ein Bild Martin Luthers abgebracht. Die beiden anderen Glocken sind dem Weltkriege zum Opfer gefallen. Die zweite, 1439 Kilogramm schwer, trug das Bild des Kirchenheiligen Matthäus und die Worte aus dem Evangelium des Lukas (2, 14): "Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen". Auf der dritten Glocke, deren Gewicht 824 Kilogramm betrug, war am oberen Rand zu lesen: "Die lebenden rufe ich, die Toten geleite ich"; zu beiden Seiten der Schrift befand sich Kreuz und Kelch.

In der Nacht der Jahrhundertwende, der Neujahrsnacht des Jahres 1900, läuteten alle 3 Glocken von 12 bis 1 Uhr das beginnende neue Jahr und neue Jahrhundert ein. Dieses feierliche Silvestergeläut fand allgemeinen Anklang, so daß es fortan in jeder Silvesternacht ertönt.

Nachdem im Weltkriege die beiden kleineren Glocken zerschlagen und zum Einschmelzen abgeliefert waren, mußte die Gemeinde sich einige Jahre lang mit der einen großen Glocke behelfen. Dann aber wurden auf Anregung und nach eifriger Sammeltätigkeit des Rektors Kölling, des damaligen Vorsitzenden des Zweigvereins Gronau des Evangelischen Bundes, zwei neue Glocken, diesmal aus Stahl, von der Gießerei Weule in Bockenem angeschafft. Die vom Evangelischen Bund geleiteten Sammlungen hatten den größten Teil der benötigten Geldmittel aufgebracht; den Rest der Kosten (1800 RM) übernahm die Kirchenkasse. Bei den Spenden taten sich der Bankprokurist Wilhelm Fricke in Gronau und die Eheleute Karl Brandes und Frau in Chicago durch größere Gaben besonders hervor. Die letztgenannten, gebürtige Gronauer, waren vor langen Jahren nach Amerika ausgewandert, hatten aber ihrer Heimatstadt und dem deutschen Vaterlande stets dieTreue bewahrt und sie auch durch mutiges Eintreten für die deutsche Sache während des Weltkrieges bekundet, unter nicht geringen persönlichen Opfern.

Am 30. März 1921 trafen die neuen Glocken in Gronau ein. Bei den Sanatogenwerken wurden sie feierlich in Empfang genommen. Die Schulkinder, Rat und Bürgervorsteher, Kirchenvorstand und Vorstand des Evangelischen Bundes und eine große Menschenmenge aus der Stadt hatten sich eingefunden und schritten im festlichen Zuge hinter den Glockenwagen her durch die Straßen der Stadt. Auf dem Marktplatz hielt Pastor Siegemann die Weihe- und Dankrede und übergab im Auftrag des Evangelischen Bundes die Glocken der Stadtverwaltung. Bürgermeister Lohde nahm die Schenkung mit Dankesworten an und überwies sie dem Kirchenvorstande zur Benutzung. 

Nach Umbau des Glockenstuhles, der nötig war, weil die Stahlglocken schwerer waren als die abgelieferten bronzenen, wurden die neuen Glocken auf den Turm geschafft. Am Konfirmationstage, dem Palmsonntage des Jahres 1922, läuteten sie zum ersten Male und geleiteten die Kinder auf ihrem Wege vom Schulplatze in die Kirche. Die eine Glocke wiegt 3000, die andere 1500 Kilogramm. Die größere ist auf den Ton C , die kleinere auf den Ton E gestimmt, und beide ergeben mit der älteren Schwester aus Bronze zusammen, die den Ton A hat, einen wundervollen Dreiklang.

Bis zum Jahre 1913 wurde das Geläut durch Menschenkraft, durch Treten, bewerkstelligt. Dann lieferte Bodes Geldschrankfabrik in Hannover ein Läutewerk mit elektrischem Antrieb und ein Betglockenschlagwerk, Aber trotz aller versuchten Verbesserungen bewährte das Läutewerk sich nicht und mußte deshalb wieder abgenommen werden. Im Jahre 1915 ließ man ein neues anbringen. Es stammt aus den Herforder Elektrizitätswerken Bokelmann und Kuhlo und hat bis heute einwandfrei gearbeitet; der Preis dafür betrug 3371,85 Mark. 

Als 1921 die Stahlglocken aufgehängt waren, konnte man wegen des zu jener Zeit in Deutschland noch immer herrschenden Mangels an Rohstoffen das elektrische Läutewerk  nicht gleich wieder mit in Gang bringen. Eine Reihe junger Männer aus der Gemeinde besorgte das Läuten freiwillig und unentgeltlich solange, bis der Notstand behoben war.

Außer der Matthäikirche dient der evangelischen Gemeinde in Gronau auch noch die Lehder Kapelle zu kirchlichen Zwecken, und zwar vornehmlich als Friedhofskapelle. Herkömmlicherweise finden in ihr auch alljährlich drei öffentliche Nachmittagsgottesdienste statt, nämlich am zweiten Pfingsttage, am Johannisfeste und dam letzten Sonntag im Kirchenjahr, dem Totensonntage. Die Kapelle steht auf dem Platze der früheren Kirche des Dorfes Lehde. Im Sommer des Jahres 1877 ist sie, die allmählich recht verfallen war, auf Anregung des mehrerwähnten Senators Pape neu ausgebaut worden. Ausgeführt wurde der Bau von dem Architekten Fredmann aus Hannover; Senator Pape schenkte dazu 1000 Mark. Das Altargemälde zeigt eine Nachbildung des Altarbildes von Professor Plockhorst im Dom zu Marienwerder (Westpreußen). Bei den Erneuerungsbarbeiten wurden die Grabdenkmale des Pastors Otto († 1783) und des Rektors Trusius († 1684), die in der Kapelle bestattet waren, entfernt und an der Außenmauer der Chorseite wieder aufgestellt. Später sind noch andere gut erhaltene Denksteine aus älterer Zeit dort aufgerichtet.

Die heutigen Begäbnisstätten der evangelischen Gemeinde sind der Lehder Friedhof und der Friedhof bei dem Stift St. Georg. Während auf letzterem jetzt nur noch die Stiftsinsassinnen beerdigt werden, scheinen dort früher auch andere Tote ihre letzte Ruhestätte gefunden zu haben, z. B. am 09. Juli 1695, ein Mann, der im Holze, und 1742 eine Frau, die in der Zehntscheuer (Die Scheune, die zur Aufnahme des Zehnten des Ernteertrages bestimmt war) verunglückt war. Auf dem Lehder Friedhofe hatten früher die Gronauer Bürgerihre Erbbegräbnisse. Nach Beendigung der Stiftsfehde bis zum Jahre 1803 bildete die Leine die fürstbischöfliche Landesgrenze, so daß der Bantelner Weg und der Lehder Friedhof schon calenbergisch waren. Die Gronauer standen also im Leben unter hildesheimischer, im Tode unter calenbergischer Landeshoheit.

Außer diesen beiden noch heute benutzten Friedhöfen hatte man früher noch einige weitere Begräbnisstätten. In der Matthäikirche und in der Lehder Kapelle wurden wohl hauptsächlich Pfarrer und deren Familienmitglieder beigesetzt; es sind dort aber auch andere Personen beerdigt, so noch 1767, wie das Kirchenbuch ausweist, in der Matthäikirche "Frau Generalin von Schwahnen". Bei anderen Toten heißt es "auf dem hohen Chor begraben". So fanden sich bei dem Ausbau der Kirche in den Jahren 1856 bis 1859 viele Skelette, auch Särge aus Eichenholz, meistens längs der Südmauer im Schiff. Sie wurden sämtlich wieder tief in die Erde versenkt. 

Auf dem Hofe um die St. Matthäikirche haben noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts Beerdigungen stattgefunden. Dort wurden die Mietsleute begraben, die keine Bürger waren. Der kirchhof erstrecke sich an der Südseite weiter als heute, hatte also eine Ausbuchtung, so daß die jetzt begradigte Hauptstraße zum Teil über Gebiet des einstigen Kirchhofes führt. Offenbar hat die Kirchengemeinde ein Stück des Hofes an die Stadt abgetreten. Dafür scheint die Stadt die Straßenreinigung längs der Kirche auf der Haupt- und der Blankestraße übernommen zu haben. Denn so lange es in Gronau eine vorgeschriebene Straßenreinigung gibt, hat sie die Stadt dort immer besorgt.

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Im folgenden sollen nun aus dem früheren Leben der Kirchengemeinde St. Matthäi einige Erinnerungsfeiern der Reformationsgedenktage kurz geschildert werden.

Die erste Jahrhundertfeier, die uns überliefert ist, fand im Jahre 1730 zum Gedächtnis an die Übergabe des Augsburger Bekenntnisses an Kaiser Karl V. (1530) statt; sie war durch besondere landesherrliche (bischöfliche) Erlaubnis gestattet worden. Ein Vierteljahrhundert später wurde die Erinnerung an den Religionsfrieden von Augsburg vom Jahre 1555 festlich begangen. Am Abend des Festtages feuerten die jungen Männer der Gemeinde Freudenschüsse ab. Dabei ist, wie aus einer Angabe eines Begräbnisbuches vom 12. Oktober 1755 hervorgeht, eim Jüngling, Hans Meners Sohn, von einem Flintenschusse, "dem er ohnversehens zu nahe gekommen, getroffen und, weil das Genick und Gehirn lädiert, eine halbe Stunde später danach, gestorben". 

Auch der Einführung der Reformation im Hidesheimischen wurde anlässlich ihrer dreihundertsten Wiederkehr im Jahre 1842 ein ein festliches Gedenken gewidmet. Zwar war Gronau erst im Jahre 1543 für die Reformation gewonnen, aber es schloß sich doch dem allgemeinen Hildesheimer Festtage am 01. September 1842 an. Die männlichen Gemeindemitglieder, Amt und Rat an der Spitze, veranstalteten einen Umgang um die Kirche, dem sich eine Festpredigt des Pastor Sauerwein anschloß. Abends wir die Stadt stimmungsvoll beleuchtet; Festbeleuchtung und Choralbalsen vom Turm und danach gemeinsamer Gesang der Gemeinde auf dem Marktplatz beendeten den Tag.

Besonders großartig war die Feier von Luthers vierhundertstem Geburtstag im Jahre 1883. Eingeleitet wurden die Festlichkeiten am Sonnabend dem, 10. November durch eine öffentliche Schulfeier; am Spätnachmittag, um 6 Uhr, hielt Pastor Bückmann, nach Festgeläut und Blasen von Lutherliedern vom Kirchturm, einen liturgischen Gottesdienst, wobei die Kirche nicht alle Besucher fassen konnte. Abends hatte der Festausschuß, bei dem vor allem der Kaufmann Karl Plathner tätig war, eine glänzende Beleuchtung der Kirche, der Schule und des Kirch-, Schul- und Marktplatzes veranstaltet. Jedes Kirchenfenster war mit 18 Kerzen erleuchtet, 1534 Flammen an den Bäumen des Kirchplatzes und an den genannten Gebäuden ließen ihr Licht in die Dunkelheit erstrahlen. Ein Festzug mit Fackeln durchzog die Straßen der Stadt. Auf dem Marktplatze sangen der Männergesangverein unter Leitung des Lehrers Schramme und der gemischte Chor unter der Leitung des Lehrers Grußendorf. Kandidat Vogt hielt eine Ansprache, und danach stimmte die Menge das mächtige "Ein feste Burg" an. Nun zog man hinauf zum Hohen Escher, wo in der Nähe der Windmühle ein Freudenfeuer angezündet war, welches, wie der Bericht sagt, an dem milden, schönen Mondscheinabend  wie eine Opferflamme still und groß zum Himmel emporloderte. Hier wie auch beim Heimmarsch war die Haltung der vielen Hunderte geradezu musterhaft. Kein Schrei, kein lautes, lärmendes Wort wurde gehört, alles war von einer ernsten, feierlichen Stimmung getragen. Das Fest klang am Sonntagabend in einem Kirchenkonzert aus.

 

Die Reformationsjubelfeier am 2. November 1917 ging, wie es sich für den schweren Ernst der Kriegszeit geziemte, in aller Stille vor sich: Festgottesdienst am Morgen mit Predigt des Pastors Siegemann, und am Abend eine vom Evangelischen Bund veranstaltete Feier im Ostmannschen Saale mit Festrede des Rektors Kölling, Vorträgen, Gesang und einer Aufführung der Schulkinder aus Luthers Leben. Die zahlreichen Zuschauer - der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt - folgten den Darbietungen mit gespannter Aufmerksamkeit, besonders aber fesselten sie die innig dargestellten 5 Bilder aus Martin Luthers Lebensgeschichte. Der Schülerchor, von Kantor Schramme geleitet, begleitete die Vorgänge auf der Bühne mit seinem Gesang. Die schlichte, aber wirkungsvolle Veranstaltung fand ihren Abschluß mit einer gemeinsam gesungenen letzten Strophe des stolzen Lutherliedes: "Das Wort sie sollen lassen stahn!"

Als bisher letzte größere kirchliche Feier wurde am Sonntag, dem 18. April 1921 die vierhundertste Wiederkehr des Tages von Worms mit Festgeläut und Festgottesdienst begangen und mit einer Veranstaltung des Evangelischen Bundes, die am Montagabend in den völlig überfüllten Ratskellersälen stattfand.

All diese Feiern dürfen wohl mit Recht als ein Beweis dafür angesehen werden, daß bei den evangelischen Einwohnern Gronaus das Gefühl der Verbundenheit mit dem Reformationswerke stets vorhanden gewesen und bis auf den heutigen Tag lebendig geblieben ist.

Zum Schlusse dieses Abschnittes seien einige Angaben über die heutige Kirchengemeinde St. Matthäi und ihre Verwaltung gemacht.  Die Kirchengemeinde zählte im Jahre 1929 etwa 2600 Seelen. Sie wird vertreten durch den Kirchenvorstand, der aus 6 Mitgliedern einschließlich des Vorsitzenden besteht. Die gegenwärtigen Kirchenvorstandsmitglieder sind:  

Vorsitzender: Pastor Siegemann; gewählte Kirchenvorsteher: Kaufmann Philipp Husmann, Bäckermeister Christian Koopmann, Bürstenmachermeister Wilhelm Seib, Buchhalter Albert Peters, Reichsbahnobersekretär Hermann Frener.

Wie fast überall in Deutschland, so war auch in Gronau früher das Küster- und das Orgelspieleramt Lehrern übertragen. Diese Verbindung von Kirchen- und Schulamt ist seit 1922 gelöst. Bis dahin hatten hier zuletzt zwei mit Kirchendienst verbundene Schulstellen bestanden, nämlich eine Kantor- und eine Organistenstelle. Beide sind seitdem zu einem Amt vereinigt, das vom Kirchenvorstand durch freien Dienstvertag besetzt wird. Der erste Inhaber der vereinigten Stelle war Kantor W. Schramme, der schon vorher das Kirchenamt versehen hatte. Am 30. September 1931 legte er seines vorgerückten Alters wegen das Amt nieder, und an seine Stelle trat als Organist der Konrektor der Kreismittelschule Ludwig Piep.

Zur gesamten inneren Belebung des Gemeindelebens trägt besonder der Zweigverein Gronau des Evangelischen Bundes bei. Er umfaßt zur Zeit etwa 150 Mitglieder und Freunde. Alljährlich veranstaltet er im Sommer ein Missonsfest, nach Möglichkeit im Freien, und im Winter sehr anregende Gemeindeabende sowie eine Weihnachtsfeier für alleinstehende ältere Leute. Durch den früheren Vorsitzenden des Vereins, Rektor Kölling, ist auch eine Nähschule ins Leben gerufen; sie arbeitet in dem früheren Kinderheim am Südwalle, das dem Vaterländischen Frauenverein, Kreisverein Gronau, gehört und das der Kirchenvorstand als Vereinshaus gemietet hat. Die Nähschule wird gegenwärtig von Frau Dora Steinhoff geleitet und hat sich vortrefflich bewährt. 

Nicht unerwähnt möchte hier die eigentlich selbstverständliche Tatsache bleiben, daß die evangelische Kirchengemeinde, sich auch nach Kräften der Armen, Alten und Kranken in der Stadt annimmt. Es geschieht das durch den Kirchenvorstand in Gemeinschaft mit der Stadt und dem Vaterländischen Frauenverein.

 

Durch gemeinsame Verwaltung verbunden mit der Matthäi-Gemeinde und mit der Stadt ist das vor dem Steintore gelegene 

Stift St. Georg,

ein Altersheim, das schon lange vor der Reformation, wahrscheinlich gemeinsam vom Rate der Stadt Gronau, den Herren von Dötzum und den Herren von Steinberg in Brüggen, zur Versorgung alter, alleinstehender Frauen gegründet wurde. Es hat 5 Stellen, von denen früher 3 von der Stadt, eine von der Familie Steinberg und eine von der Familie Bennigsen in Banteln als Erben derer von Dötzum besetzt wurden. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts haben die beiden Adelsfamilien auf ihr Besetzungsrecht zu Gunsten der Stadt Gronau verzichtet, so daß diese nunmehr allein alle 5 Stellen vergibt.

Die Stiftsgebäude bestehen aus einem Wohnhaus und einer alten Kapelle, die neuerdings in würdiger Weise wiederhergestellt ist. Über dem Fenster der Nordseite trägt ein Stein die Jahreszahl 1416, während ein Stein auf der Südseite eine nicht mehr recht lesbare Zahl aufweist (anscheinend 13..). Das Stift besitzt außerdem eine Reihe von Gärten und etwas Vermögen, das aber infolge der Geldentwertung in den Jahren 1921-1923 sehr zusammengeschrumpft ist. Früher hatten die Stiftsinsassinnen das Recht, wöchentlich einmal in der Stadt Almosen zu sammeln. Es wird heute jedoch als unzeitgemäß empfunden und nicht mehr ausgeübt.

Jede Stiftsinsassin hat zwei Räume und einen Garten für sich. Gemeinsam steht allen eine große Wohnstube und eine Küche zur Verfügung. Für Küche und Stube liefert die Stiftsverwaltung die Feuerung. 

Verwaltet wird das St. Georgsstift von einem Kuratorium. Ihm gehören der jeweilige Bürgermeister und der zweite Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde an. Ein Rechnungsführer hat die Kasse zu führen und alle Jahre den beiden genannten Rechnung abzulegen. Jede neu eintretende Insassin muß 30 Mark Eintrittsgeld bezahlen; davon fließen 15 Mark in die Stiftskasse, 9 Mark stehen dem Pastor für die Einführung, 3 Mark dem Bürgermeister und 3 Mark dem Rechnungsführer zu.

An alten Bräuchen hat sich in dem Stifte erhalten, dass die Insassinnen von April bis Oktober morgens, mittags und abends die Glocke der Stiftskapelle läuten müssen. Auch finden in der Kapelle noch hin und wieder in der Sommer- und Herbstzeit um 5 oder 6 Uhr nachmittags Andachten statt, , gelegentich wohl auch eine Abendmahlsfeier für die Insassinnen und älteren Leute der Nachbarschaft. Sonst dient die Kapelle nur zur Einführung neuer Bewohnerinnen des Stiftes. Diese geschieht jedesmal durch den zweiten Pfarrer nach alter Gewohnheit in feierlicher Weise.

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Update zum Stift "St. Georg" v. 08.05.2014: Dieter Schütte, Stadtheimatpfleger, schreibt:

Das "Stift St. Georg" als ein Altersheim zu betiteln, ist nach heutigen Erkenntnissen sehr unzutreffend übernommen und beschrieben. Den Begriff "Altersheim" schrieben Pastor Siegmann und Kantor Schramme in ihrem verfassten Buch "Geschichte der Stadt Gronau" aus im Jahr 1931- dieses wurde so wörtlich für die"alt-gronau-leine- home"-Seite übernommen. Bereits 100 Jahre vorher, im Jahr 1832, beschrieb Dr. Röbbelen in seinem gleichnamigen Gronauer Stadtbuch das Stift mit Wohnhaus, Kapelle, Friedhof, Gärten und Feldland als "Hospital St. Georgii". 

Treffender dagegen schreibt die Gronauer Stadtarchivarin Konstanze Weinmeister in ihrem aktuell erschienenem Bildband: Die St. Georgkapelle, heute als Ruine erhalten, gehörte zum St. Georgsstift, welches im 15. Jahrhundert als Siechenhaus erbaut und in späteren Jahrhunderten als Armenhaus genutzt wurde. Die massive gotische Kapelle, über deren Fenster an der Nord- und Südseite sich rundbogig ausgearbeitete Sturze mit Inschriften befinden, liegt am Kleiweg nahe der Bethelner Landstraße,

Zusammenfassend meine geschichtlichen Recherchen über die Entstehung der Stiftung "St. Georg und zu den vierzehn Nothelfern": Im Mittelalter und auch in den ersten Jahrhunderten der Neuzeit hat Gronau häufig unter verheerenden Seuchen zu leiden gehabt. Die Reformation wurde in unserer Region im Jahr 1543 eingeführt. Noch während des Dreißigjährigen Krieges, besonders in den Jahren 1625/ 26, sind nach Ausweis der Gronauer Kirchenbücher, Hunderte seiner Einwohner der Pest zum Opfer gefallen. Am gefürchtesten war die Lepra (Aussatz), die vom Orient eingeschleppt war und deren Gefährlichkeit eine sofortige Absonderung der Erkrankten erforderlich machte. So entstand vor dem Nordeingang der Stadt Gronau im freien Felde ein Heim für Aussätzige ( mit Kapelle, Friedhof, Gärten und Länderein zur Selbstversorgung), die Stiftung "St. Georg zu den vierzehn Nothelfern". Bei einem solchen Heim wurde auch stets eine Kapelle errichtet, in der von den Geistlichen Gottesdienste gehalten und die Kranken und Sterbenden betreut werden sollten. Die Stiftung begann im Jahr 1439- also dem 15. Jahrhundert. Das damals errichtete Hospital hat im 18. Jahrhundert einem zweistöckigem Fachwerkhaus Platz gemacht, das bis in die jüngste Vergangenheit unbemittelten, alleinstehenden Frauen als Wohnstätte gedient hat. Die unbenutzt dastehende gotische St. Georgs-Kapelle diente ab Mitte der 1960er Jahre (bis zum allmähligen Verfall) der Evangelischen Gemeindejugend als eingerichtetes Heim.

Nicht beschrieben ist die Zusammensetzung der genauen Finanzierung der Stiftung, der Aufgaben und Pflichten.

Ende des Updates zum Stift "St. Georg"

 

 

St. Joseph

 

Die katholische Kirchengemeinde St. Joseph

Mit dem Sieg der Reformation in Gronau (1513) gingen, wie oben erwähnt, sämtliche drei Kirchen in den Besitz der neuen evangelischen Gemeinde über. Gleichzeitig hörte aber auch die alte katholische Gemeinde auf zu bestehen auf. In der zweiten Hälfte des 16. und dem ersten Dritten des 17. Jahrhunderts ist in Gronau kein öffentlicher katholischer Gottesdienst gehalten worden, und eine öffentlich anerkannte katholische Gemeinde hat es in dieser Zeit hier nicht gegeben. Diesen Zustand änderte zwar der Sieg der kaiserlichen Waffen bei Lutter am Barenberge. Die bischöflichen Hoheit wurde 1630 wiederhergestellt, aber nur für kurze Zeit. Schon nach 4 Jahren wendete sich das Kriegsglück. und die welfischen Herzöge schafften den katholischen Gottesdienst wieder ab. Bekanntlich wurde damals allgemein die Gleichheit Bekentnisses zwischen Landesherren und Untertanen gefordert nach dem Grundsatz "cuius regio, eius religio" (wessem Herrschaft, dessen Religion). Demgemäß musste, sobald der Landesherr wechselte und der neue ein anderes Religionsbekenntnis hatte als sein Vorgänger, regelmäßig die ihm unterstellte Bevölkerung des neuen Herren annehmen. Als Gronau im Jahre 1643 aufs neue dem Hildesheimer Bischof zuviel, konnte infolge der veränderten Zeitverhältnisse der bisher geübte Grundsatz der Glaubensgleichheit nicht mehr verwirklicht werden. Wohl wurde in Haus-Escherde eine katholische Klosterpfarrei eingerichtet, eine katholische Kirche gab es jedoch in Gronau nicht, obgleich sicherlich seitdem katholische Einwohner vorhanden gewesen sind. Denn als 1682 katholischen Kirchenbücher eingeführt wurden, fanden sofort 3 Taufen katholischer Kinder und im folgenden Jahr sogar 9 Taufen statt.

Unter Kurfürst und Bischof Maximilian Heinrich erhielt im Jahre 1679 der Dominikaner-Pater Franz Krukenkamp in Osnabrück den Auftrag, den Dominikaner-Orden in Hildesheim einzuführen. Zu dem Zwecke wurden in Gronau zwei Bürgerstellen in der Burgstraße wieder in Anspruch genommen, von denen die eine dem benachbarten Kloster Escherde, die andere dem Herrn von Rheden gehört hatte. Im Jahre 1680 errichtete man hier ein Kloster, in dem eine Dominikaner-Mission ihren Einzug hielt. Franz Krukenkamp ward 1682 zum Präsekten (Vorsteher) dieser Mission ernannt. Seine Nachfolger waren Heinrich Schmedding, Adalbertus Gitten und Alexander Wrede. Unter ihnen sind dann die klösterlichen Gebäude in der Burgstraße - Kirche und zwei angrenzende Flügel - fertiggestellt. Die Kirche wurde dem hl. Joseph geweiht.

Aber schon 1703 vernichtete die große Feuersbrunst, der fast die ganze Stadt zum Opfer fiel, auch Kloster und Kirche der Dominikaner. Mit Hilfe mildtätiger Unterstützungen gelang es in den folgenden Jahren, beide Gebäude wieder aufzubauen, so, wie sie heute noch stehen. An der Decke der Kirche befindet sich die Jahreszahl 1715, am Chorgestühl die Zahl 1780; im ersteren Jahre ist also das Gotteshaus errichtet worden. Der Weihbischof M. H. von Weichs veranlaßte die innere Ausstattung im Jahre 1719. Wie die Kirchenbücher erzählen, sind früher häufig Gemeindeangehörige beerdigt, insbesondere Mitglieder von Adelsfamilien. Hiervon zeugen auch noch einige Grabsteine in der Kirche. Die eigentliche Begräbnisstätte der katholischen Gemeinde befindet sich auf dem Friedhofe, der an der Ecke Steintorstraße und der Bethelner Landstraße liegt und schon seit der Zeit vor der Aufhebung des Dominikanerklosters benutzt wird.

Über 100 Jahre lang übten die Dominikaner unangefochten ihre Seelsorgetätigkeit in Gronau aus. Als die Stadt 1802 preußisch wurde, blieb das Dominikanerkloster im Gegensatz zu vielen anderen Klöstern bestehen, "weil aus ihm kaum viel zu holen war, wohl aber die den Ordensmitgliedern zu zahlenden Pensionen hätten bezahlt werden müssen" (A. Bertram, Geschichte des Bistums Hildesheim). Die Insassen versahen also weiter wie bislang die Seelsorge der kleinen katholischen Gemeinde, wurden aber seit 1802 als Pfarrer bezeichnet. Um ein allmähliches Eingehen des Klosers herbeizuführen, verbot man regierungsseitig die Aufnahme von Novizen. Die folgende westfälische Herrschaft hob dann das Kloster ganz auf und wollte die Gebäude veräußern. Es fanden sich aber keine Käufer. Bei der entgültigen Übernahme des ehemaligen Stifts Hildesheim durch Hannover im Jahre 1815 waren noch drei Mönche und ein Laienbruder am Leben. Zwei der ersteren wurden versetzt, während der Dritte die Pfarrgeschäfte als nunmehr weltlicher Pfarrer übernahm. Der Laienbruder trat in den Ruhestand.

Die kirchenbücher der katholischen Gemeinde sind im Laufe des 18. Jahrhunderts vorwiegend von folgenden Dominikanern geführt, die man also wohl auch als die jeweiligen Hauptseelsorgern ansehen darf: Ranmundus Witte (1709), Joh. Scherf (1711), Claudius Clemens (1715), Leopold Münchemühl (1719), H. Wilberding (1733), Bern. Rohde (1742), Zacharuas Gundrum (1748), S. Gibbecke (1750), Reginaldus Paulus (1753), Jos. Kohl (1760), Breitenstein (1768) und Benediktus Engelke (1769).

Als erster Pfarrer wird im Handbuche der Diözese Hildesheim vom Jahre 1817 der Dominikaner August Uelsmann (1802 bis 1809) genannt; ihm folgten noch zwei Ordensangehörige , Ludwig Kaufhold (1809 bis 1815) und Franz Jacobi (1815 bis 1831). Letzter war der obenerwähnte erste weltliche Pfarrer. Die klosterkirche wurde nun zur Pfarrkirche, ein Flügel des Klosters Pfarrwohnung und Schule. So ist es bis heute geblieben. Der andere Klosterflügel dient seit 1908 als Verwaltungsgebäude des Landratsamts.

Seit 1831 sind folgende Pfarrer oder Pfarrverweser (=Stellvertreter) im Amt gewesen:  Verweser Michael Müller 1831, Thöne 1831 - 1837, Verweser Kaplan Koch 1837 - 1839, Heinrich Flügge 1839 - 1840, Verweser Edmung Vogt 1840, Heinrich Brinkmann 1840 - 1847, Walter Bauermeister 1847 - 1853, Verweser Ferdinandn Osthaus 1853, Dr. Ludwig Maren 1853 - 1857, Franz Bormann 1875 bis 1883, Verwesern Horn 1883 - 1884, Karl Zahn 1884 - 1894, Verweser Gerhardn 1894, Hermann Fischer 1894 - 1896, Johannes Gerhardn 1896 - 1920, Wilhelm Dellers seit 1920.

Kapläne waren: Machtzum 1819 - 1823, Michael Müller 1823-1837, Dr. Joh. Koch 1837 - 1839, Franz Weihkopf 1840 - 1843, Wilhelm von der Halben 1843 - 1846, Friedrich Müller 1846 - 1850, Anton Paasch 1850, Ferdinand Osthaus 1850 - 1857, Friedrich Behre 1857 - 1862, Chr. Busche 1862 - 1863, Heinrich Lücke 1863 - 1866, Rudolf Metz 1866 - 1870, Heinrich Blumberg 1870 - 1872, Hermann Horn 1872 - 1885, Georg Lehm 1885 - 1887,  Joh. Gerhardn  1887 - 1896, Franz Alberti 1896 - 1900, Augustin Ahrend 1900 - 1901, Heinrich Brönnecke 1901 - 1903, Wilhelm Delkers 1903 - 1905, Ernst Algermissen 1905 - 1908, Heinrich Salbreiter 1908 - 1920. Seitdem ist die Kaplanstelle nicht wieder besetzt.

Im Jahre 1810 wurden nach Aufhebung des Klosters Escherde die dortigen Katholiken in die Gemeinde Gronau eingepfarrt. Es waren 1803 noch 257 Seelen gewesen, dann nahm aber die Zahl rasch ab; heute befindet sich dort kaum noch ein Katholik. Die Kirchenbücher des Klosters Escherde, die etwas eher als die Gronauer beginnen - diese 1682, jene 1665 - werden in der katholischen Pfarre zu Gronau aufbewahrt. In diesem Zusammenhange ist auch erwähnenswert, daß die katholische Gemeinde bereits früher einmal von außen her Verstärkung erfahren hat, nämlich gegen Ende des 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch Zuzug von Einwanderern. Katholische holländische unf flämischeh Händler und Handwerker, Brabantimer, wie sie nach ihrem Ursprungslande Brabant im Kirchenbuche genannt werden, kamen damals vielfach in das Stift Hildesheim. Meist betrieben sie Handel mit Kupfer-, Messing- und Eisenwaren, insbesondere mit kupfernen Kesseln, Sensen, Spaten und Messern. Auch nach Gronau wanderten zahlreiche Familien ein; das Kirchenbuch verzeichnet u. a. die Namen Hiels, Göttgens, Rademacher. Sie stammten aus den im östlichen Holland liegenden Orten Reederwerth, Bessen und Heesch. Die meisten der im Kirchenbuche genannten neuen Namen sind aber jetzt nicht mehr zu finden.

Im Jahre 1803 zählte die hiesige katholische Kirchengemeinde 332 Seelen, heute gehören ihr etwa 400 Mitglieder an. Die Verwaltung der äußeren Kirchen- und Gemeindeangelegenheiten erfolgt, ebenso wie bei der evangelischen Gemeinde, durch einen gewählten Kirchenvorstand, der aus 7 Köüfen besteht und dessen Vorsitzender der jeweilige Pastor ist. Der gegenwärtige Vorstand setzt sich folgendermaßen zusammen: Vorsitzender Pastor Delkers; gewählte Kirchenvorsteher: Rechtsanwalt Josef Göttgens, Ziegelmeister August Heidemeyer, Oberweichenwärter Franz Kanne, Klempnermeister Josef Wiese, Maler Fritz Hamann und Schuhmachermeister August Conrades, Eitzum.

Während des großen Krieges 1914 - 1918 mußte die katholische Kirchengemeinde gleich den meisten deutschen Kirchengemeinden einige ihrer Glocken zur Herstellung des immer knapper werdenden Kriegsmetalls opfern. Zwei von den drei Bronzeglocken der katholischen Kirche zu Gronau wanderten in den großen Schmelztiegel des Vaterlandes. Erst im Jahre 1925 gelang es, durch freiwillige Zuwendungen und einen Zuschuss der hannoverschen Klosterkammer die Mittel zur Anschaffung zweier neuer Bronzeglocken aufzubringen. Im Jahre 1926 fand deren feierliche Weihe statt. Die Glocken stammen aus der Gießerei Humpert in Brilon (Westf.), wiegen 313 und 180 Kilogramm und sind auf die Töne "des" und "es" gestimmt; zusammen mit der alten, auf den Ton "i" gestimmten Glocke, ergeben sie ein schlichtes, wohltönendes Geläut. Diese alte Glocke, die etwa 115 Kilogramm wiegen soll, stammt aus dem Jahre 1720, wie ihre Inschrift verkündet: "1720 goß mich Erhard Christoph Becker in Hildesheim". Auf der größeren der beiden neuen Glocken stehen die Worte: "Jeus, mitis et humilis corte, Fac Cor nostrum secundum cor tuum" (Jesus, sanftmütig und demütig von Herzen, bilde unser Herz nach deinem Herzen!). Die Inschrift auf der anderen Glocke lautet: "Sancta mater, istud agas, Crucifixi fige plagas Cordi meo valide" (Heilige Mutter, präge die Wunden des Gekreuzigten tief in mein Herz ein).

Eine lebendige, bis in die vorrefomatorische Zeit zrückgreifende Erinnerung ist der sogenannte Paterhof. Der Hof, früher dem Engelbrechtschen Hofe gegenüber gelegen, an der Ecke der Junkern- und Mönchstraße, gehörte seit dem 15. Jahrhundert dem Michaeliskloster in Hildesheim. Diesem Kloster war vom Bischofe der Zehnte aus der Lehder Feldmark zugewiesen, zu dessen Einnahme und Verwertung hatte man einen Verwalter nach Gronau gesetzt, der Ordensmitglied (Pater) war und auf dem erwähnten Hofe wohnte. Daher erklärt sich der Name Paterhof. Es mögen dort übrigens auch noch andere Mönche des Michaelisklosters ihren gelegentlichen oder ständigen Wohnsitz gehabt haben. Jedenfalls erhielt von dieser Nachbarschaft die angrenzende Straße die Bezeichnung "Mönchstraße". Nach dem großen Brande von 1703, der auch den alten Paterhof vernichtete, vertauschte das Kloster den Platz gegen zwei am Südwalle und an der Südstraße gelegene Bürgerstellen, um eine abgeschlossene und weniger gefährdete Lage zu finden. Im Jahre 1760 wurde dort der Paterhof von Grund auf neu erbaut, wie die Inschrift über dem Hauseingange besagt. Die neben dem Wohnhause stehende große Scheune trägt die Jahreszahl 1764 und diente als Lagerraum für den Zehnten, der ja meistens in Getreide- und Feldfrüchten geleistet wurde. Der neue Paterof hat allerdings seine ursprüngliche Bestimmung nicht mehr sehr lange erfüllt: im Jahre 1827 wurden die Gebäude an Privatleute verkauft und sind seit dem in verschiedenen Händen gewesen. Der Name aber hält heute noch das Gedächtnis an ein versunkens Stück Mittelalter wach.

Ein ungenannter Wohtäter schenkte im Jahre 1870 der katholischen Kirchengemeinde in Gronau an der Ecke der Süd- und der Leintorstraße ein Haus, das auf Wunsch des Stifters und dem mit ihm befreundeten Karl von Gavigny den Namen "von-Gavigny-Stift" erhielt und als Krankenhaus eingerichtet wurde. Fünf Schwestern von der Kongregation der "Barmherzigen Schwestern vom heil. Binzenz von Paul in Hildesheim" widmeten sich dort der Krankenpflege und der Fürsorge für die Jugend. Bis zur Erbauung des Johanniter-Krankenhauses und bis zur Einführung einer evangelischen Gemeindeschwester übten sie ohne Ansehen der Person und des Religionsbekenntnisses die alleinige Krankenpflege in der Stadt aus. Vielen Familien sind sie treue Helferinnen in Not und Leid geworden. Daneben unterhielten die Schwestern eine Kinderbewahrungsanstalt und eine Nähschule; auserdem waren sie als Handarbeitslehrerinnen in der katholischen Volksschule tätig.

Schon bald nach der Gründung des Hauses wurde aber die Arbeit der Schwestern durch den Kulturkampf beschränkt: ihre Nähschule mit ihren 20 Schülerinnen wurde aufgelöst, sogar die Knderbewahrungsanstalt, in der sie 40 Kinder betreuten, verviel der Auflösung, und ferner mußte die Handarbeitslehrtätigkeit in der Volksschule (40 Mädchen) eingestellt werden. Nur für Besuchskrankenpflege durfte die Niederlassung  bestehen bleiben.

Nach Beendigung des Kulturkampfes nahmen die Barmherzigen Schwestern ihre vorherige Beschäftigung, außer derjenigen als Handarbeitslehrerinnen an der Volksschul, wieder auf und üben sie auch heute noch in gleiche Weise aus. An die Stelle der Krankenpflege, die naturgemäß im wesentlichen auf das Johanniter-Krankenhaus übergegangen ist, trat jedoch die Aufnahme und Pflege alter, alleinstehender Frauen und Männer aus Stadt und Kreis Gronau sodaß die Niederlassung heute mehr als ein Alters- und Siechenheim angesehen werden kann. Aber auch die Betreuung der Erkranken in ihren Wohnungen, insbesondere durch Nachtwachen und ähnliche Liebesdienste, wird noch fortgesetzt.

Selbstverständlich ist es in den langen Jahrhunderten zwischen den Evangelischen und Katholiken unserer Stadt nicht immer ohne Reibungen abgegangen. Schon bald nach Errichtung ihrer Kirche begann die katholische Gemeinde, die alljährliche Fronleichnamsprozession zu veranstalten. Hiergegen erhoben Ritterschaft und Städte verschiedentlich Beschwerde; jedoch wurden die Prozessionen hier sowohl wie auch in Peine, wo die Dinge ähnlich lagen, vom Fürstbischof erlaubt. Nach Anrufung des Reichskammergerichts in Wetzlar kam schließlich ein Vergleich zustande (Hildesheimer Gesetz vom 11. Juli 1711), nach dem da, wo katholische Kirchen und Klöster neu erbaut waren, die Prozessionen sich nur im Gebiete der Kirche oder des Kirchhoffes erstrecken sollten. Inzwischen hatte sich aber die Fronleichnamsprozession in Gronau, die zunächst nur im Bereiche des Klosterwalles und der Burgstraße abgehalten war, seit dem Jahre 1706 bereits weiter ausgedehnt und ging durch die Burgstraße, die Hauptstraße, die damals Breite Straße hieß, über den Markt und die Blankestraße. Der Vergleich von 1711 hat an dieser Gewohnheit nichts geändert. Später zog man auch noch um das sogenannte Schild bis zm Treffpunkt der Haupt- und Blankestraße. Und so ist es heute noch gebräuchlich.

Es sollen diesem einen Beispiel kleiner Gegensätzlichkeiten keine weiteren angefügt werden. Darf man doch im ganzen feststellen, daß das Verhältnis der beiden christlichen Religionsbekenntnissen in unserer Stadt stets recht gut gewesen ist, und das irgendwie nennenswerter Zwiespalt es nie getrübt hat. Möge es immer so bleiben!

Die jüdische Gemeinde

 

Die jüdische Gemeinde

Schon früh scheint in der Stadt Gronau eine jüdische Gemeinde bestanden zu haben. Denn der an der Südstraße gelegene, heute noch zu gottesdienstlichen Zwecken benutzte Tempel nebst Synagoge stammt aus den ersten Jahren nach dem großen Brande von 1703.

Die jüdischen Einwohner von Gronau und Banteln bildeten zusammen unter einem gemeinsamen Vorsteher eine Synagogengemeinde. Die Vorsteher in den letzten 100 Jahren waren: L. Dammann, H. Wolfes, U. Dannenberg, M. Heine, D. Wolfes und zur Zeit Albert Heine. Noch im Jahre 1890 zählte die Gemeinde etwa 50 Seelen, davon kamen allein auf Gronau 12 Familien. Sie hatte sich 1828 eine eigene Volksschule (Elementarschule; letzte Lehrer Frank und Iwan Mener), eingerichtet, die aber, weil die Gemeinde kleiner wurde, 1890 in eine Religionsschule umgewandelt werden mußte. Im Jahre 1909 ging auch sie wegen Fortzuges vieler jüdischer Familien ein. Die an ihr tätig gewesenen Lehrer hießen Wolff, Heilbrunn und G. Frühauf.

Der Gottesdienst wurde zunächst von den Lehrern geleitet, seit 1909 hält ihn der jeweilige Vorsteher der Gemeinde oder ein auswärtiger Rabbiner ab. Doch geschieht das nur noch an hohen Festtagen. Die Gemeinde umfasst heute auch alle jüdischen Bewohner der Nacharorte und gehört zum Landrabbinat Hildesheim.

-Ende Teil 3 -

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